WAS IST HALLOWEEN?

Schon lange lag es mir auf dem Herzen, einen Artikel zu Halloween zu schreiben. Tatsächlich war dies kein einfaches unterfangen, da gerade im deutschen Sprachraum viele Fehlinformationen gestreut werden. Manche Kreise weisen darauf hin, dass Halloween entweder christlich ist, oder wenigstens nicht heidnisch ist – andere verteufeln das Fest und erfinden dafür entweder irgendwelche Horrorgeschichten oder nutzen schlechte und ungeprüfte Quellen. Letztlich führt dies dazu, dass es nur möglich war, einen Artikel unter Zuhilfenahme englischsprachiger Quellen, insbesondere Fachliteratur, zu schreiben. Den gesamten Beitrag gibt es auch als PDF mit Fußnoten zu den Quellen auf unserem Telegram-Kanal. Da dies keine wissenschaftliche Ausarbeitung ist, möchten wir darauf hinweisen, dass nicht kontinuierlich auf wissenschaftlichen Standard zitiert wurde, dafür aber nach Möglichkeit qualifizierte Quellen der getroffenen Aussagen angegeben werden.

Alle biblischen Zitate innerhalb dieses Artikels wurden der Übersetzung „Schlachter 2000“ entnommen. Die Texte in Bibelzitaten, die in Klammern „()“ geschrieben sind, sind Ergänzungen der ursprünglichen Bibelübersetzer. Die Texte in Bibelzitaten, die „kursiv“ geschrieben sind, wurden vom Autor dem ursprünglichen biblischen Verständnis oder dem Kommentar der Übersetzer nach wörtlich aber nicht inhaltlich geändert. Die Texte in Bibelzitaten, die „fett“ geschrieben sind, sind persönliche Hervorhebungen des Autors in Bezug zum Inhalt dieser Ausarbeitung. Die Punkte in Bibelzitaten, die in eckigen Klammern „[…]“ geschrieben sind, sind Stellen im Zitat, die gekürzt wurden. Die immer wieder auftretenden Zahlen innerhalb des Textes sind die die Fußnotenzahlen des eigentlichen Artikels.

Ich bitte den Leser diesen Artikel, sowie den Inhalt gemäß der Bibel zu prüfen:

>> Die Weissagung verachtet nicht! Prüft alles, das Gute behaltet! Haltet euch fern von dem Bösen in jeglicher Gestalt! <<

(1. Thessalonicher 5:20-22)

1.) Allgemeines

„Halloween“1Duden-Redaktion: https://www.duden.de/rechtschreibung/Halloween. Am 30.10.21 aufgerufen. (gesprochen wie „Hällo-wien“ oder „Hello-wien“) von „All Hallows‘ Evening“2Palmer, Abram Smythe (1882). Folk-etymology. Johnson Reprint. S.6. 3Elwell, Walter A. (2001). Evangelical Dictionary of Theology. Baker Academic. S.533. 4„NEDCO Producers‘ Guide“. S.31-33. NEDCO Federation. 1973., ist der Abend vor dem katholischen Hochfest „Allerheiligen“, welches vom 31. Oktober bis 1. November stattfindet und auf Englisch „All Hallows‘ Day“5Hopwood, James A. (2019). Keeping Christmas. Wipf and Stock Publishers. S.47. heißt. Das Brauchtum, dass wir in der heutigen Gesellschaft als Halloween kennen, stammt ursprünglich vor allem aus gälischen Regionen der britischen Inseln, welches sich im 19. Jhd. , im Zuge der irischen und schottischen Einwanderungswelle in die USA ausbreitete. In diesem traditionsarmen Raum wurde es zum heute populären Fest mit Kindermasken und Partys. Seit den 1990er Jahren verbreiten sich Halloween-Bräuche in US-amerikanischer Ausprägung auch im kontinentalen Europa. Dabei gibt es deutliche regionale Unterschiede. So vermischten sich insbesondere im deutschsprachigen Raum heimatliche Bräuche wie das süddeutsche „Rübengeistern“6Wikipedia-Redaktion: https://de.wikipedia.org/wiki/R%C3%BCbengeistern#Riabagoaschtern:_Baden-W%C3%BCrttemberg_und_Bayerisch_Schwaben. Am 30.10.21 aufgerufen. mit den US-amerikanischen Bräuchen. Interessant ist hierbei, dass sowohl die süddeutschen Bräuche, wie auch die ursprünglich gälischen Bräuche aus Irland und Schottland mit großer Wahrscheinlichkeit die gleichen keltischen Ursprünge haben.

Der Religionsethnologe Sir James Frazer beschrieb in seinem Standardwerk „The Golden Bough“ (in der Ausgabe von 1922) Halloween als „altes heidnisches Totenfest mit einer dünnen christlichen Hülle“; neben dem Frühjahrsfest „Beltane“7Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Beltane. Am 30.10.21 aufgerufen. am 1. Mai (bekannt als „Walpurgisnacht“) habe es sich um das zweite wichtige Fest der Kelten gehandelt. Nachgewiesen sei es seit dem 8. Jhd. , als christliche Synoden versuchten, solche heidnischen Riten abzuschaffen. Die Encyclopædia Britannica8Encyclopædia Britannica: https://www.britannica.com/topic/Halloween. Am 30.10.21 aufgerufen. leitet das Fest aus alten keltischen Bräuchen her. Gefeiert wurde zu Halloween demnach auch das Sommerende und der Einzug des Viehs in die Ställe. In dieser Zeit, so glaubte man, seien auch die Seelen der Toten zu ihren Heimen zurückgekehrt. Begangen wurde das Fest laut der Encyclopædia Britannica mit „Bonfires“, was wörtlich übersetzt „Knochenfeuer“ bedeutet. Der Name Knochenfeuer nimmt ursprünglich Bezug auf das Verbrennen von Knochen der Opfer, darunter auch Menschen- oder Kinderopfer. Laut der Encyclopædia Britannica nutze man auch Verkleidungen, die der Vertreibung böser Geister dienten und Wahrsagerei sei zu diesem Datum ebenfalls üblich gewesen. Das 1927 bis 1942 erschienene Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens schreibt über den November: „Die Kelten, welche das Jahr vom November an rechneten, feierten zu Beginn dieses Monats ein großes Totenfest, für das die Kirche die Feste Allerheiligen und Allerseelen setzte“, und über Allerseelen: „Auf keltischem Gebiete war das Anzünden großer Feuer üblich. […] Man kann am Allerseelentage erfahren, was für ein Winter werden und wie sich die Zukunft – namentlich in Liebesangelegenheiten – gestalten wird. […] Die an Allerseelen, wie die am Christtag und in den Zwölften Geborenen können Geister sehen.“. Die frühere Forschung vermutete den ältesten Hinweis auf das Samhain-Fest im schwer zu deutenden Kalender von Coligny aus dem 1. Jhd. , dort als ein Fest des Sommerendes (keltisch samos, gälisch samhuinn für „Sommer“), oder zurückgehend auf das irogälische Wort für Versammlung, samain.9Typisch für das 19. Jahrhundert: Whitely Stokes (Hrsg.): Cormac’s glossary. = Sanas Chormaic. Translated and annotated by John O’Donovan. Irish Archaeological and Celtic Society, Calcutta 1868

Die Entstehungsgeschichte des katholischen Festtags Allerheiligen geht ursprünglich auf ein Fest aller heiligen Märtyrer zurück, das am 13. Mai, dem Weihetag der Kirche „Sancta Maria ad martyres“ in Rom, gefeiert wurde, als Papst Bonifatius IV. das heidnische Pantheon, einen allen römischen Göttern gewidmeten Tempel, im Jahre 610 der Jungfrau Maria und allen heiligen Märtyrern weihte.10Balthasar Fischer: Allerheiligen. In: Walter Kasper (Hrsg.): Lexikon für Theologie und Kirche. 3. Auflage. Band 1. Herder, Freiburg im Breisgau 1993, S.405. Von Irland aus schließlich wurde der 1. November als keltischer Jahresanfang mit dem Gedenken der Heiligen verbunden. Allmählich entwickelte sich das Allerheiligen-Fest in der ganzen Kirche daraus und wurde 835 durch Papst Gregor IV. für die Gesamtkirche angeordnet. In England wurde dann aus dem „All Saints‘ Day“ oder auch „All Hallows‘ Day“ in Verbindung mit dem ursprünglich keltischen „Samhain“-Fest, das am Vorabend des Allerheiligentages stattfand, also an „All Hallows‘ Evening“ oder kurz „Hallows E’en“ schließlich Halloween.11EKD. Kommentar von Pfarrer Andrew Schäfer (Evangelische Kirche im Rheinland): https://www.ekd.de/halloween-ursprung-und-bedeutung-13330.htm. Am 30.10.21 aufgerufen Der Bezug von Halloween ergibt sich aus dem der Feier des Hochfestes Allerheiligen folgenden Gedächtnis Allerseelen, an dem die Katholiken ihrer Verstorbenen und aller Armen Seelen im Fegefeuer durch Gebet und Ablässe gedenken. Die Einführung des Allerseelentages am 2. November geht auf Abt Odilo von Cluny im Jahre 998 zurück.12Odilo Ringholz: Die Einführung des Allerseelentages durch den heiligen Odilo von Cluny. In: Wissenschaftliche Studien und Mittheilungen aus dem Benedictiner-Orden, Bd. 2 (1881), Nr. 4, S.248–249.

2.) Gällische Herkunft

Man muss davon ausgehen, dass die heutigen Halloween-Bräuche von Bräuchen und Vorstellungen der ursprünglich keltischen Kultur beeinflusst wurden, und somit weitgehend heidnische Wurzeln haben.13Boenig, Robert. Anglo-Saxon Spirituality: Selected Writings. Paulist Press, 2000. S.7 Jack Santino, ein Volkskundler, schreibt, dass „in ganz Irland ein unruhiger Waffenstillstand zwischen Bräuchen und Glaubensvorstellungen herrschte, die mit dem Christentum verbunden waren, und solchen, die mit den Religionen verbunden waren, die vor der Ankunft des Christentums in Irland herrschten“.14Santino, Jack. The Hallowed Eve: Dimensions of Culture in a Calendar Festival of Northern Ireland. University Press of Kentucky, 1998. S.95 Der Historiker Nicholas Rogers stellt fest, dass die Ursprünge der Halloween-Bräuche in der Regel mit dem gälischen Fest Samhain in Verbindung gebracht werden.15Rogers, Nicholas. „Samhain and the Celtic Origins of Halloween“. Halloween: From Pagan Ritual to Party Night. Oxford University Press, 2002. S.11–21. Samhain war einer der „Vierteltage“ im mittelalterlichen gälischen Kalender und wurde am 31. Oktober und 1. November in Irland, Schottland und auf der Isle of Man gefeiert.16TIME Magazine: https://time.com/5434659/halloween-pagan-origins-in-samhain/. Am 30.10.21 aufgerufen. 17A Pocket Guide To Superstitions of the British Isles (Publisher: Penguin Books Ltd; Reprint edition: 4 November 2004). 18BBC: https://www.bbc.co.uk/religion/religions/christianity/holydays/halloween_1.shtml. Am 30.10.21 aufgerufen. Die bretonischen Kelten feierten ein ähnliches Fest, das in Wales „Calan Gaeaf“, in Cornwall „Kalan Gwav“ und in der Bretagne „Kalan Goañv“ hieß, was so viel wie „erster Tag des Winters“ bedeutet. Für die Kelten endete und begann der Tag bei Sonnenuntergang, so dass das Fest nach moderner Zeitrechnung am Abend vor dem 1. November begann.19Ó hÓgáin, Dáithí. Myth, Legend & Romance: An encyclopaedia of the Irish folk tradition. Prentice Hall Press, 1991. S.402. Samhain wird in einigen der frühesten irischen Schriften erwähnt. Die Namen wurden von Historikern bis ins 19. Jhd. für die keltischen Halloween-Bräuche verwendet,20Hutton, Ronald. The Stations of the Sun: A History of the Ritual Year in Britain. Oxford University Press, 1996. S.365-369. und sind auch heute noch die gälischen und walisischen Bezeichnungen für Halloween.

Samhain markierte das Ende der Erntezeit und den Beginn des Winters oder der „dunkleren Jahreshälfte“21Monaghan, Patricia. The Encyclopedia of Celtic Mythology and Folklore. Infobase Publishing, 2004. S.407. 22Hutton, Ronald. The Stations of the Sun: A History of the Ritual Year in Britain. Oxford University Press, 1996. S.361 und galt als Übergangszeit, in der die Grenze zwischen dem Diesseits und dem Jenseits dünner wurde. Das bedeutete, dass die Aos Sí, die „Geister“ oder „Feen“, leichter in die diesseitige Welt kommen konnten und besonders aktiv waren.23O’Halpin, Andy. Ireland: An Oxford Archaeological Guide. Oxford University Press, 2006. S.236. 24Monaghan, Patricia. The Encyclopedia of Celtic Mythology and Folklore. Infobase Publishing, 2004. S.41 Die meisten Gelehrten sehen sie als „degradierte Versionen alter Götter […], deren Macht in den Köpfen der Menschen aktiv blieb, selbst nachdem sie offiziell durch spätere religiöse Überzeugungen ersetzt worden waren“.25Monaghan, Patricia (2014). The Encyclopedia of Celtic Mythology and Folklore. Infobase publishing. S.167. Sie wurden sowohl respektiert als auch gefürchtet, wobei die Menschen oft den Schutz des Gottes anriefen, wenn sie sich ihren Behausungen näherten.26Monaghan, Patricia (01.01.2009). The Encyclopedia of Celtic Mythology and Folklore. Infobase Publishing. S.167. Zu Samhain wurden die „Aos Sí“27Wikipedia: https://en.wikipedia.org/wiki/Aos_S%C3%AD. Am 30.10.21 aufgerufen. besänftigt, um sicherzustellen, dass die Menschen und das Vieh den Winter überlebten. Man brachte ihnen Speise- und Trankopfer oder Teile der Ernte.28Danaher, Kevin. The Year in Ireland: Irish Calendar Customs. Mercier Press, 1972. S.200. 29Evans-Wentz, Walter (1911). The Fairy-Faith in Celtic Countries. S.44. 30McNeill, F. Marian (1961). The Silver Bough, Volume 3. S.34. Es hieß auch, dass die Seelen der Verstorbenen in ihre Häuser zurückkehrten und Gastfreundschaft suchten.31Encyclopædia Britannica: https://www.britannica.com/topic/Halloween. Am 30.10.21 aufgerufen. Man richtete Plätze am Esstisch und am Feuer ein, um sie zu empfangen.32McNeill, F. Marian (1961). The Silver Bough, Volume 3., S.11-46. Der Glaube, dass die Seelen der Toten in einer Nacht des Jahres nach Hause zurückkehren und besänftigt werden müssen, scheint uralte Ursprünge zu haben und findet sich in vielen Kulturen.33Miles, Clement A. (1912). Christmas in Ritual and Tradition. Chapter 7: All Hallow Tide to Martinmas. Im Irland des 19. Jahrhunderts wurden „Kerzen angezündet und Gebete für die Seelen der Toten gesprochen. Danach begannen das Essen, Trinken und die Spiele“34Hutton, Ronald. The Stations of the Sun: A History of the Ritual Year in Britain. Oxford University Press, 1996. S.379..

In ganz Irland und Großbritannien gehörten zu den Hausfesten auch Wahrsagerrituale, mit denen die Zukunft vorhergesagt werden sollte, vor allem in Bezug auf Tod und Heirat.35Hutton, Ronald. The Stations of the Sun: A History of the Ritual Year in Britain. Oxford University Press, 1996. S.380. Häufig wurden Äpfel und Nüsse verwendet, und zu den Bräuchen gehörten das Apfelwippen, das Nussbraten, das Hellsehen oder der Blick in den Spiegel, das Gießen von geschmolzenem Blei oder Eiweiß in Wasser, die Traumdeutung und andere.36Danaher, Kevin. „Irish Folk Tradition and the Celtic Calendar“, in The Celtic Consciousness, ed. Robert O’Driscoll. Braziller, 1981. S.218-227. Es wurden spezielle Lagerfeuer entzündet, und es gab Rituale, die mit ihnen verbunden waren. Ihren Flammen, ihrem Rauch und ihrer Asche wurden schützende und reinigende Kräfte zugeschrieben.37Monaghan, Patricia. The Encyclopedia of Celtic Mythology and Folklore. Infobase Publishing, 2004. S.407. Mancherorts wurden Fackeln, die am Lagerfeuer entzündet wurden, in der Sonne um Häuser und Felder getragen, um sie zu schützen.38Hutton, Ronald. The Stations of the Sun: A History of the Ritual Year in Britain. Oxford University Press, 1996. S.365-369. Es wird vermutet, dass die Feuer eine Art nachahmende oder mitfühlende Magie waren – sie ahmten die Sonne nach und hielten den Verfall und die Dunkelheit des Winters zurück.39McNeill, F. Marian (1961). The Silver Bough, Volume 3., S.11-46. 40Frazer, James George (1922). The Golden Bough: A Study in Magic and Religion. Chapter 63, Part 1: On the Fire-festivals in general.; MacCulloch, John Arnott (1911). The Religion of the Ancient Celts. Chapter 18: Festivals. Sie dienten auch der Wahrsagerei und der Abwehr böser Geister.41Carter, Albert Howard; Petro, Jane Arbuckle (1998). Rising from the Flames: The Experience of the Severely Burned. University of Pennsylvania Press. S.100. In Schottland wurden diese Lagerfeuer und Wahrsagespiele von den Kirchenältesten einiger Gemeinden verboten.42Hutton, Ronald. The Stations of the Sun: A History of the Ritual Year in Britain. Oxford University Press, 1996. S.366, 380. In Wales wurden Lagerfeuer auch angezündet, um zu verhindern, dass die Seelen der Toten auf die Erde stürzen.43CYMRAEG: https://web.archive.org/web/20171002215831/http://cymraeg.gov.wales/news/index/calan-gaeaf?lang=en. Am 30.10.21 aufgerufen. „Später hielten diese Lagerfeuer den Teufel fern.“44Rosinsky, Natalie M. (2002). Halloween. Capstone Publishers. S,8.

Mindestens seit dem 16. Jhd.45McNeill, F. Marian. Hallowe’en: its origin, rites and ceremonies in the Scottish tradition. Albyn Press, 1970. S.29-31. wurde das Fest in Irland, Schottland, der Isle of Man und Wales mit Mummenschanz und Verkleidung begangen,46Hutton, Ronald. The Stations of the Sun: A History of the Ritual Year in Britain. Oxford University Press, 1996. S.379–383. wobei die Menschen in Kostümen oder verkleidet von Haus zu Haus zogen und im Austausch gegen Essen Verse oder Lieder vortrugen. Hierbei handelte es sich ursprünglich um eine Tradition, bei der die Menschen die „Aos Sí“ oder die Seelen der Verstorbenen verkörperten und in ihrem Namen Opfergaben entgegennahmen, ähnlich dem „Souling“47Wikipedia: https://en.wikipedia.org/wiki/Soul_cake#Souling. Am 30.10.21 aufgerufen.. Man glaubte auch, dass man sich durch die Verkörperung dieser Wesen oder durch das Tragen einer Verkleidung vor ihnen schützen konnte.48Hole, Christina. British Folk Customs. Hutchinson, 1976. S.91. In Teilen Südirlands gehörte zu den Kostümierten auch ein Steckenpferd. Ein als „Láir Bhán“ („weiße Stute“) verkleideter Mann führte Jugendliche von Haus zu Haus und rezitierte Verse – von denen einige heidnische Untertöne hatten – im Austausch gegen Lebensmittel. Wenn ein Haushalt Lebensmittel spendete, konnte er von der „Muck Olla“ Glück erwarten, andernfalls drohte Unglück.49Journal of the Royal Society of Antiquaries of Ireland, Volume 2. 1855. S.308–309. In Schottland zogen Jugendliche mit maskierten, bemalten oder geschwärzten Gesichtern von Haus zu Haus und drohten oft, Unheil anzurichten, wenn sie nicht willkommen waren.50Hutton, Ronald. The Stations of the Sun: A History of the Ritual Year in Britain. Oxford University Press, 1996. S.379–383. F. Marian McNeill geht davon aus, dass zu dem alten Fest Menschen in Kostümen gehörten, die die Geister darstellten, und dass die Gesichter mit der Asche des heiligen Feuers gezeichnet oder geschwärzt wurden.51McNeill, F. Marian. Hallowe’en: its origin, rites and ceremonies in the Scottish tradition. Albyn Press, 1970. S.29-31. In Teilen von Wales zogen Männer als furchterregende Wesen namens „gwrachod“ umher. Im späten 19. und frühen 20. Jhd. verkleideten sich junge Leute in Glamorgan und Orkney. Anderswo in Europa war Mummenschanz Teil anderer Feste, aber in den keltischsprachigen Regionen war er „besonders geeignet für eine Nacht, in der angeblich übernatürliche Wesen unterwegs waren und von menschlichen Wanderern nachgeahmt oder abgewehrt werden konnten“. Mindestens seit dem 18. Jhd. führte das „Nachahmen bösartiger Geister“ in Irland und den schottischen Highlands zu Streichen. Das Tragen von Kostümen und das Spielen von Streichen zu Halloween verbreitete sich im 20. Jhd. in England. Ähnliche Bräuche gibt es in Südwestdeutschland und der Schweiz zur schwäbisch-alemannischen Fastnacht52Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Schw%C3%A4bisch-alemannische_Fastnacht. Am 30.10.21 aufgerufen.. Die Strolche an Halloween benutzten ausgehöhlte Rüben oder Mangold als Laternen, die oft mit grotesken Gesichtern geschnitzt waren. Von den Herstellern der Laternen wurde behauptet, dass sie die Geister repräsentierten53Hutton, Ronald. The Stations of the Sun: A History of the Ritual Year in Britain. Oxford University Press, 1996. S.379–383. oder dazu dienten, böse Geister abzuwehren.54Palmer, Kingsley. Oral folk-tales of Wessex. David & Charles, 1973. S.87–88. 55Wilson, David Scofield. Rooted in America: Foodlore of Popular Fruits and Vegetables. Univ. of Tennessee Press, 1999. S.154. Im 19. Jhd. waren sie in Teilen Irlands und der schottischen Highlands verbreitet, ebenso wie in Somerset56Wikipedia: https://en.wikipedia.org/wiki/Punkie_Night. Am 30.10.21 aufgerufen.. Im 20. Jhd. verbreiteten sie sich in anderen Teilen Englands und wurden allgemein als „Jack-o‘-Lanterns“ bekannt.57Hutton, Ronald. The Stations of the Sun: A History of the Ritual Year in Britain. Oxford University Press, 1996. S.379–383.

Der Begriff „Jack-o‘-lantern“ wurde ursprünglich verwendet, um das visuelle Phänomen „ignis fatuus“ (wörtlich: „törichtes Feuer“) zu beschreiben, das in der englischen Folklore als „will-o‘-the-wisp“ bekannt ist. Die früheste bekannte Verwendung stammt aus den 1660er Jahren und wurde vor allem in Ostengland verwendet.58Online Etymology Dictionary: https://www.etymonline.com/word/Jack-o‘-lantern#etymonline_v_1626. Am 30.10.21 aufgerufen. Der Begriff „will-o‘-the-wisp“ setzt sich aus „wisp“ (ein Bündel von Stöcken oder Papier, das manchmal als Fackel verwendet wird) und dem Eigennamen „Will“ zusammen: also „Will-die-Fackel“. Dies wird im deutschen Raum tendenziell als „Irrlicht“ übersetzt. Der Begriff „Jack-o‘-lantern“ hat die gleiche Konstruktion: „Jack-die-Laterne“. Das Schnitzen von Gemüse war in vielen Teilen der Welt ein gängiger Brauch. Es bewiesen, dass der Brauch, zu Halloween „Jack-o‘-Lanterns“ zu basteln, in Irland seinen Anfang nahm.59The Oxford Companion to American Food and Drink. Oxford University Press. 2007. S.269. 60BBC: http://news.bbc.co.uk/2/hi/uk_news/magazine/4385812.stm. Am 30.10.21 aufgerufen. 61BBC: http://news.bbc.co.uk/2/hi/uk_news/northern_ireland/4383216.stm. Am 30.10.21 aufgerufen. Zu Halloween 1835 veröffentlichte das „Dublin Penny Journal“ eine lange Geschichte über die Legende von „Jack-o‘-the-Lantern“62„History of Jack-o‘-the-Lantern“. Dublin Penny Journal. 3-4: 229, 1835..

Ein altes irisches Volksmärchen aus der Mitte des 18. Jahrhunderts erzählt von „Stingy Jack“, einem faulen, aber gewitzten Schmied, der ein Kreuz benutzt, um Satan in die Falle zu locken. Er ergaunerte sich so die Sicherheit des Teufel, nicht in die Hölle zu kommen. Das Ende des Märchen besagt, dass Jack starb und weder in den Himmel, noch in Hölle konnte, weshalb er vom Teufel eine Laterne mit einer Kohle aus der Hölle bekam, um als rastlose Seele durch die Nacht zu wandern.63HISTORY: https://www.history.com/news/history-of-the-jack-o-lantern-irish-origins. Am 30.10.21 aufgerufen.

3.) Halloween und die Kirche

Während die katholische Kirche sich mit dem heidnischen Halloween arrangierte und heidnische Praktiken übernahm – In Teilen Italiens wurde bis zum 15. Jahrhundert den Geistern von Verwandten eine Mahlzeit serviert, bevor man zum Gottesdienst ging64Morton, Lisa (15 September 2013). Trick or Treat: A History of Halloween. Reaktion Books. S.129. – waren Praktiken wie Halloween, bzw. Allerheiligen bei reformierten Christen durch „sola Scriptura“ („alleine die Schrift“) nicht mehr tragbar. In Großbritannien gerieten diese Bräuche während der Reformation unter Beschuss, als die Protestanten das Fegefeuer als „päpstliche“ Doktrin bezeichneten, die mit der calvinistischen Lehre von der Prädestination durch Gott unvereinbar sei. Staatlich sanktionierte Zeremonien, die mit der Fürsprache der Heiligen und dem Gebet für die Seelen im Fegefeuer verbunden waren, wurden während der elisabethanischen Reform abgeschafft, obwohl der „All Hallow’s Day“ im englischen liturgischen Kalender weiterhin anerkannt wurde, um „der Heiligen als gottesfürchtiger Menschen zu gedenken“65Hutton, Ronald. The Stations of the Sun: A History of the Ritual Year in Britain. Oxford University Press, 1996. S.372.. Für einige nonkonformistische Protestanten wurde die Theologie des „All Hallows‘ Eve“ neu definiert: „Die Seelen können nicht vom Fegefeuer aus auf dem Weg in den Himmel sein, wie die Katholiken häufig glauben und behaupten. Stattdessen wird angenommen, dass die so genannten Geister in Wirklichkeit böse Geister sind.“66Santino, Jack (21 October 2021). The Hallowed Eve: Dimensions of Culture in a Calendar Festival in Northern Ireland. University Press of Kentucky. Andere Protestanten glaubten an einen Zwischenzustand, der als Hades bekannt ist.67The Episcopal Church, its teaching and worship (Latta Griswold), E.S. Gorham, S.110. In einigen Orten setzten Katholiken und Protestanten Seelenmessen, Lichterprozessionen oder das Läuten der Kirchenglocken für die Toten fort;68Rogers, Nicholas. Halloween: From Pagan Ritual to Party Night. Oxford University Press, 2002. S.22, 27. 69Mosteller, Angie (2 July 2014). Christian Origins of Halloween. Rose Publishing. die anglikanische Kirche unterdrückte schließlich dieses Glockengeläut.70Aston, Margaret. Broken Idols of the English Reformation. Cambridge University Press, 2015. S.475-477. In Schottland und Irland wurden alte Allhallowtide-Bräuche, die im Widerspruch zur reformierten Lehre standen, nicht unterdrückt, da sie „für den Lebenszyklus und die Übergangsriten der lokalen Gemeinschaften wichtig waren“ und es schwierig gewesen wäre, sie zu unterbinden.71Rogers, Nicholas. Halloween: From Pagan Ritual to Party Night. Oxford University Press, 2002. S.49–50. Auch deutsche Christen der reformierten Kirchen schafften in den reformierten Herschafftsgebieten das katholische Fest Allerheiligen und alle damit verbundenen Bräuche ab, ebenso erging es Festen wie dem Allerseelen oder der Fasnacht.

4.) Fazit

Ich als Autor kann nun hieb- und stichfest bezeugen, dass dieses Fest grundlegen heidnischen Ursprungs ist. Meine persönliche Empfehlung ist es, sich nicht an diesem Fest zu beteiligen. Die Bibel spricht zu Bräuchen wie Halloween sehr deutlich:

>> […] so sollst du nicht lernen, nach den Gräueln jener Heidenvölker zu handeln. Es soll niemand unter dir gefunden werden, der seinen Sohn oder seine Tochter durchs Feuer gehen lässt, oder einer, der Wahrsagerei betreibt oder Zeichendeuterei, oder ein Beschwörer oder ein Zauberer oder einer, der Geister bannt, oder ein Geisterbefrager oder ein Hellseher oder jemand, der sich an die Toten wendet. Denn wer so etwas tut, ist JHWH ein Gräuel, […] Du aber sollst dich ganz an JHWH, deinen Gott, halten; denn diese Heidenvölker, […] hören auf Zeichendeuter und Wahrsager; dir aber erlaubt JHWH, dein Gott, so etwas nicht. <<

(5. Mose 18:9-14)

>> Hört das Wort, das JHWH zu euch redet, o Haus Israel! So spricht JHWH: Lernt nicht den Weg der Heiden und erschreckt nicht vor den Zeichen des Himmels, auch wenn die Heiden sich vor ihnen fürchten! <<

(Jeremia 10:1-2)

>> Prüft also, was dem Herrn wohlgefällig ist, und habt keine Gemeinschaft mit den unfruchtbaren Werken der Finsternis, deckt sie vielmehr auf; denn was heimlich von ihnen getan wird, ist schändlich auch nur zu sagen. Das alles aber wird offenbar, wenn es vom Licht aufgedeckt wird; denn alles, was offenbar wird, das ist Licht. Darum heißt es: Wache auf, der du schläfst, und stehe auf aus den Toten, so wird der Gesalbte dich erleuchten! <<

(Epheser 5:10-14)

>> Darum, meine Geliebten, flieht vor dem Götzendienst! Ich rede ja mit Verständigen; beurteilt ihr, was ich sage! […] Was sage ich nun? Dass ein Götze etwas sei, oder dass ein Götzenopfer etwas sei? Nein, sondern dass die Heiden das, was sie opfern, den Dämonen opfern und nicht Gott! Ich will aber nicht, dass ihr in Gemeinschaft mit den Dämonen seid. Ihr könnt nicht den Kelch des Herrn trinken und den Kelch der Dämonen; ihr könnt nicht am Tisch des Herrn teilhaben und am Tisch der Dämonen! Oder wollen wir den Herrn zur Eifersucht reizen? Sind wir etwa stärker als er? <<

(1. Korinther 10:14-22)

>> Zieht nicht in einem fremden Joch mit Ungläubigen! Denn was haben Gerechtigkeit und Gesetzlosigkeit miteinander zu schaffen? Und was hat das Licht für Gemeinschaft mit der Finsternis? Wie stimmt der Gesalbte mit dem Nichtsnutz überein? Oder was hat der Gläubige gemeinsam mit dem Ungläubigen? Wie stimmt der Tempel Gottes mit Götzenbildern überein? Denn ihr seid ein Tempel des lebendigen Gottes, wie Gott gesagt hat: »Ich will in ihnen wohnen und unter ihnen wandeln und will ihr Gott sein, und sie sollen mein Volk sein«. Darum geht hinaus von ihnen und sondert euch ab, spricht der Herr, und rührt nichts Unreines an! Und ich will euch aufnehmen, und ich will euch ein Vater sein, und ihr sollt mir Söhne und Töchter sein, spricht der Herr, der Allmächtige. <<

(2. Korinther 6:14-18)

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