JOM KIPPUR: DER ROTE FADEN

Jedes Jahr findet im Herbst das biblische Fest Jom Terua (hebr.: Tag des Lärmblasen, auch bekannt als Posaunentag) statt. Die Bibel lehrt dazu:

Im siebten Monat, am Ersten des Monats, soll euch eine Sabbatfeier sein, eine Erinnerung durch Lärmblasen, eine heilige Versammlung. Keinerlei Dienstarbeit dürft ihr tun,

3.Mose 23:24-25a)

Und im siebten Monat, am Ersten des Monats, sollt ihr eine heilige Versammlung halten; keinerlei Dienstarbeit sollt ihr tun; ein Tag des Hornblasens soll es für euch sein.

4.Mose 29:1

Tatsächlich finden wir im Tenach („Altes Testament“) keinen weiteren Hinweis, weshalb wir an diesem Tag ruhen und eine Versammlung haben sollen, geschweige denn, weshalb wir Horn blasen oder uns erinnern sollen. Doch wenn wir im Rest der Bibel suchen, finden wir in der Brit Chadasha („Neues Testament“) spannende Hinweise. Jeschua (/Jesus) sprach in seiner Endzeitrede:

Und er wird seine Engel aussenden mit starkem Posaunenschall, und sie werden seine Auserwählten versammeln von den vier Winden her, von dem einen Ende der Himmel bis zu ihrem anderen Ende.

Matthäus 24:31

Die genauere Definition dessen, was mit dem „starken Posaunenschall“ geschehen wird erfahren wir vom Apostel Schaul (/Paulus) der in seinen Briefen schreibt:

Denn der Herr selbst wird mit dem Befehlsruf, mit der Stimme eines Erzengels und bei dem Schall der Posaune Gottes herabkommen vom Himmel, und die Toten im Messias werden zuerst auferstehen;

1.Thessalonicher 4:16

in einem Nu, in einem Augenblick, bei der letzten Posaune; denn posaunen wird es, und die Toten werden auferweckt werden, unvergänglich sein, und wir werden verwandelt werden.

1.Korinther 15:52

Hier wird plötzlich schlüssig, weshalb wir Horn blasen und uns erinnern sollen. Wir sollen vorbereitet sein und uns an den Ton des Horns erinnern, um eines Tages „die letzte große Posaune“ zu erkennen. „Wacht also!“ (Matthäus 24:42a) lehrte Jeschua in diesem Kontext noch.

Der Apostel Jochanan (/Johannes) hörte in seinen Visionen schon einmal diese Posaune, wie er erzählt: „Ich war an dem, dem Herrn gehörenden Tag im Geist, und ich hörte hinter mir eine laute Stimme wie von einer Posaune,“, und wusste genau zu sagen, was zu „letzten Posaune“ geschehen wird:

Und der siebente Engel posaunte; und es geschahen laute Stimmen im Himmel, die sprachen: Die Königsherrschaft der Welt ist unserem Herrn und seinem Messias zuteilgeworden, und er wird herrschen von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Offenbarung 11:15

Und ich sah einen anderen Engel hoch oben am Himmel fliegen, der das ewige Evangelium hatte, um es denen als gute Botschaft zu verkündigen, die auf der Erde ansässig sind, und jeder Nation und jedem Stamm und jeder Sprache und jedem Volk; und er sprach mit lauter Stimme: Fürchtet Gott und gebt ihm Ehre! Denn die Stunde seines Gerichts ist gekommen. Und betet den an, der den Himmel und die Erde und Meer und Wasserquellen gemacht hat!

Offenbarung 14:6-7

Wären wir jetzt gerade in diesem Szenario, wäre der Bibel zufolge dieses Gericht am kommenden Jom ha Kippurim, in einigen Wochen also. Dies entnehmen wir im Endeffekt auch wieder aus der Tora:

Doch am Zehnten dieses siebten Monats, da ist der Versöhnungstag. Eine heilige Versammlung soll er für euch sein, und ihr sollt eure Seelen durch Fasten erniedrigen

3.Mose 23:27a

Und am Zehnten dieses siebten Monats sollt ihr eine heilige Versammlung halten, und ihr sollt euch demütigen; keinerlei Arbeit sollt ihr tun.

4.Mose 29:7

Die Bibel lehrt uns, das an Jom ha Kippurim (hebr. Tag der Versöhnung) besondere Opfer im Tempel dargebracht wurden. Es war der einzige Tag, an dem der Hohepriester das Allerheiligste im Tempel betreten durfte, um stellvertretend für das Volk die Vergebung der Sünden zu empfangen. Dort besprengte er die Bundeslade mit dem Blut von zwei Opfertieren. Ebenso wurde über zwei Böcken das Los geworfen, wovon einer zur Reinigung des Tempels geopfert, der andere zu „Asasel“ in die Wüste geschickt wurde (vgl. 3. Mose 16:5-22). Eine Bestätigung dieses Ablauf lesen wir erneut auch in der Brit Chadasha:

Da aber dies so eingerichtet ist, gehen zwar in das vordere Zelt die Priester allezeit hinein und verrichten die Dienste, in das zweite aber einmal im Jahr allein der Hohepriester, nicht ohne Blut, das er darbringt für sich selbst und für die Verirrungen des Volkes.

Hebräer 9:6-7

Spannend ist, dass wir aus den rabbanitisch-jüdischen Schriften entnehmen, dass diese Opfer, ab etwa dem 40. Jahr vor der Zerstörung des zweiten Tempels in Jerusalem, von Gott nicht mehr angenommen wurden (also ab etwa 30 n. u. Z.). Hierfür möchte ich einige jüdisch-rabbinische Schriften zu Rat ziehen. Zunächst nahmen die Priester damals ein Stück roter Wolle, teilten den Faden in zwei Hälften und banden die erste Hälfte an das Horn des Bockes, der in die Wüste geschickt wurde. Die zweite Hälfte wurde an „den Felsen“, bzw. an der Außenseite der Eingangshalle des Tempel gebunden. Wurde dieser rote Faden nach dem Wegschicken des Bockes weis, wusste das Volk Israel, dass ihre Sünden vergeben waren. Doch nachdem dieses Geschehen ausblieb, band man fortan den Faden innen an die Türe, damit das Volk den roten Faden nicht mehr sah (vgl. Mischna Joma 6:6; Talmud bavli, Rosch Haschana 31b:13). Eine Aggada (antike, rabbanitische Literatur) besagt zudem, dass etwa 40 Jahre vor der Zerstörung des Zweiten Tempels die Türen des „Heichal“ (der vorderer Teil des Tempelgebäudes) nachts verschlossen und am frühen Morgen offen aufgefunden wurden. Der rabbanitische Gelehrte Jochanan ben Zakkai sagte einst:

Heichal, warum beunruhigst du uns? Wir wissen, dass du irgendwann zerstört wirst, wie es heißt (in Sacharia 11:1): ‚Öffne deine Türen, oh Libanon, damit das Feuer deine Zedern verschlingt.

Talmud jeruschalmi, Joma, 6:3, 43c; Talmud bavli, Joma 39b

An diesen jüdisch-rabbanitischen Hinweisen erkennen wir klar, dass die Opfer am Tag der Sühne, die von Gott nicht mehr angenommen wurden, durch den Messias Jeschua abgeschafft wurden. Dies machen wir daran fest, dass wir einerseits erfahren, dass ab dem Tod Jeschuas der rote Faden nicht mehr weiß wurde, also die Opfer nicht mehr Annahme fanden, vielmehr aber der Vorhang des Tempel zerrissen, der „Heichal“ also offen stand, wie es auch in der Brit Chadasha steht:

Und siehe, der Vorhang des Tempels zerriss in zwei Stücke, von oben bis unten; und die Erde erbebte, und die Felsen zerrissen,

Matthäus 27:51

So wird nochmal bekräftigt, was Jeschua sagte:

gleichwie der Sohn des Menschen nicht gekommen ist, um bedient zu werden, sondern um zu dienen und sein Leben zu geben als Lösegeld für viele.

Matthäus 20:28

Nur so erleben wir einen Tag der Versöhnung mit Jeschua als Hohepriester, wie Paulus lehrt:

Denn einer ist Gott, und einer ist Mittler zwischen Gott und Menschen, der Mensch Jeschua der Messias, der sich selbst als Lösegeld für alle gab, als das Zeugnis zur rechten Zeit.

1.Timotheus 2:5-6

In diesem Sinne wünschen wir allen Lesern einen gesegneten Tag der Sühne in Fasten, Gebet, Buße, Vergebung und Frieden:

Wenn eure Sünde auch blutrot ist, soll sie doch schneeweiß werden, und wenn sie rot ist wie Purpur, soll sie doch wie Wolle werden.

Jesaja 1:18

3 Gedanken zu “JOM KIPPUR: DER ROTE FADEN”

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.