PERLEN DER TORA: PARASCHA WAJERA


Krija Alef: 1.Mose 18:1-14

Diese Krija beginnt damit, dass Awraham bei den „Elonei Mamre“ (hebr.: Terebinthen / Eichen von Mamre) war. Es lässt sich vermuten, dass dies kein normales Wäldchen, sondern vermutlich ein Hain zu rituellen Zwecken war. Dort jedenfalls lagerte Awraham, wo er in der Hitze des Tages vor seinem Zelt saß und unerwarteten Besuch bekam. Die rabbanitische Tradition lehrt, dass dieser Besuch stattfand, als Awraham sich von seiner Beschneidung erholte, die nur wenige Verse vorher stattfand. Obwohl vermutlich zunächst nicht wusste, wer die Gäste waren, war er sehr gastfreundlich. Er gab ihnen Ehre, die Möglichkeit, sich zu reinigen, sowie Essen und Trinken. Die Bibel verheißt, dass wir in dem Maß empfangen, in dem wir auch geben. Wenn wir andere segnen, werden wir auch selber Segen empfangen.

Eine segnende Seele wird reichlich gesättigt, und wer anderen zu trinken gibt, wird selbst erquickt.

Sprüche 11:25

Gerade Deutschland ist leider dafür ein Beispiel, dass es heute viele Kulturen gibt, die vergessen haben, wie Gastfreundschaft funktioniert. Ich selber kenne es aus eigenen Erfahrungen, dass es nicht einmal gern gesehen ist, spontan länger zu Besuch zu bleiben, z.B. zum Essen und ähnliches. In anderen Kulturen können Gäste jedoch jederzeit vorbeikommen, und dort herrscht auch die Erwartung, dass man stets bereit ist, gastfreundlich zu sein. Auch die Brit Chadascha ermutigt uns, Gastfreundlichkeit zu zeigen:

Seid gegeneinander gastfreundlich ohne Murren!

1.Petrus 4:9

Der Autor des Hebräerbriefes geht hierbei sogar so weit zu schreiben, dass man womöglich Engel beherbergen könnte, wobei er sich vielleicht auf das Geschehen dieser Parascha bezieht.

Vernachlässigt nicht die Gastfreundschaft; denn durch sie haben etliche ohne ihr Wissen Engel beherbergt.

Hebräer 13:2

Und in der Tat waren die Männer, die Awraham beherbergte, Engel. Obwohl das Wort auf Hebräisch „anaschim“ (hebr.: Männer) lautet, ist es aus dem Zusammenhang klar, dass von den drei Männern wenigstens zwei Engel sind und der Dritte vermutlich JHWH selber, oder der Malach JHWHs ist. Weiter lesen wir in diesem Abschnitt, dass Awraham seinen Gästen Milch und Fleisch zum Essen gab.

Und er trug Butter und Milch auf und von dem Kalb, das er zubereitet hatte, und setzte es ihnen vor. Und er stand bei ihnen unter dem Baum; und sie aßen.

1.Mose 18:8

Das Essen, das Awraham und seine Frau zubereitet hatten , waren Brot, Butter, Milch und Kalbsfleisch, und es scheint, dass es zusammen gegessen wurde. In der heutigen rabbanitischen Traditionen müssen Milch- und Fleischprodukte jedoch getrennt werden. Dies entwickelte sich aus einem Gebot der Tora.

Du sollst das Böcklein nicht in der Milch seiner Mutter kochen.

2.Mose 23:19, 34:26; 5.Mose 14:21

Diese Trennung ist eine außerbiblische Tradition, der orthodoxe Juden folgen, um zu verhindern, dass das eigentliche Gebot in 5. Mose gebrochen wird. Aus diesem Grund werden in koscheren Restaurants in Israel und auf der ganzen Welt Fleisch und Milchprodukte strikt getrennt, bis zu dem Punkt, dass jüdische Restaurants keine Milch- und Fleischprodukte in den selben Räumlichkeiten anbieten. Aber hier lesen wir, dass Awraham und seine Besucher zusammen Milch und Fleisch aßen. Die Trennung von Milch und Fleisch ist nur eine der vielen rabbanitischen Traditionen, die viele Juden heute befolgen. Je nach Tradition geben Rabbaniten an, dass Awraham zwischen den Milchprodukten und dem Fleisch zwischen vier Stunden und einer Stunde wartete, oder dazwischen einfach kurz mit den Gästen einen Schnaps trank. Biblisch ist es aber tatsächlich erlaubt, Milch und Fleisch zusammen zu essen. Es ist nur verboten, dass Fleisch des Kindes in der Milch der Mutter zu kochen und auch hier bezieht sich das Verbot sprachlich ausschließlich auch Schafe und Ziegen, nicht aber auf Rinder. Wir dürfen Milch und Fleisch also gemeinsam lagern, zubereiten und essen. Jeschua lehrte, dass wir keine Traditionen befolgen sollen, die dem Wort JHWHs widersprechen oder uns dazu bringen, Gottes Wort es zu missachten. Dennoch kann es sein, dass Jeschua diese Tradition vielleicht freiwillig befolgte, da es dem dem Wort JHWHs nicht widerspricht Milch und Fleisch freiwillig zu trennen und da das nicht Einhalten, dieser Tradition zur Folge gehabt hätte, dass er gesellschaftlich ausgeschlossen gewesen wäre und nicht ernst genommen worden wäre. Paulus sagte im Bezug auf solche Themen:

Denn obwohl ich frei bin von allen, habe ich mich doch allen zum Knecht gemacht, um desto mehr Menschen zu gewinnen. Den Juden bin ich wie ein Jude geworden, damit ich die Juden gewinne; denen, die unter dem Gesetz sind, bin ich geworden, als wäre ich unter dem Gesetz, damit ich die unter dem Gesetz gewinne;

1.Korinther 9:19-20

Im weiteren Verlauf erfährt Awraham, dass er mit JHWH oder vermutlich mit dem Malach JHWH (hebr.: der Engel des HERRN) spricht, denn es ist doch unwahrscheinlich, dass Gott JHWH sich selber physisch manifestiert hat, denn es heißt ja:

Niemand hat Gott je gesehen; der eingeborene Sohn, der im Schoß des Vaters ist, der hat Aufschluss über ihn gegeben.

Johannes 1:18

Gott ist Geist, und die ihn anbeten, müssen ihn im Geist und in der Wahrheit anbeten.

Johannes 4:24

Niemand hat Gott jemals gesehen; wenn wir einander lieben, so bleibt Gott in uns, und seine Liebe ist in uns vollkommen geworden. Daran erkennen wir, dass wir in ihm bleiben und er in uns, dass er uns von seinem Geist gegeben hat.

1.Johannes 4:12-13

Und im Gespräch mit Awraham verspricht ihm JHWH einen Sohn durch die Frau Sara. Dabei verspricht er folgendes:

Sollte denn JHWH etwas zu wunderbar sein? Zur bestimmten Zeit will ich wieder zu dir kommen im nächsten Jahr, und Sarah wird einen Sohn haben!

1.Mose 18:14

Nächstes Jahr, zur bestimmten Zeit ist hier sehr bedeutend, denn im Hebräischen steht für „bestimmte Zeit“ das Wort „moed“ (plural: Moedim). Dieses Wort wird von Gott auch verwendet, um die festgelegten Festzeiten in 3.Mose 23 zu beschreiben. Im Deutschen werden diese Zeiten frei übersetzt als Feste des HERRN, aber dies ist eine schlechte Übersetzung, da nicht jede dieser festgesetzten Zeiten eine Feier im eigentlichen Sinne sind. So ist bspw. Jom ha Kippurim (hebr.: Tag der Versöhnungen) ein Tag der Demut, an dem man eigebtlich fastet und seine Schuld gegenüber Gott bekennt. Die Moedim sind also besondere Zeiten, die JHWH für einen bestimmten Zweck gewählt hat. In diesem Fall nutzt JHWH das Wort für die Erfüllung seiner Verheißung an Awraham. Sarahs erste Reaktion auf dieses Versprechen war, das Sie in Ihrem Herzen lachte, weil sie weit über das gebärfähige Alter hinaus war. Doch zur Antwort bekam sie nur „Sollte dem Herrn etwas unmöglich sein?“. Vielleicht gibt es Versprechungen, die wir von JHWH bekommen haben, die uns vielleicht unmöglich erscheinen. Aber wir sollten ermutigt werden durch die Worte Jeschuas, die uns daran erinnert haben:

Wenn du glauben kannst — alles ist möglich dem, der glaubt!

Markus 9:23

In der Brit Chadascha (hebr.: „erneuerter Bund“ = „neues Testament“) sehen wir eine andere wichtige festgelegte Zeit. Ein Engel kam zu einer jungen, jüdischen Frau namens Mirjam (hebr.: Maria), um ihr zu sagen, dass sie schwanger werden würde, ohne Geschlechtsverkehr mit einem Mann zu haben, allein durch die Kraft des Ruach ha Kodesch (hebr.: „Wind der Heiligkeit“ = „Heiliger Geist“). Außerdem würde ihr Sohn Jeschua (hebr.: „Erlösung“ = „Jesus“) genannt werden, und er würde ewig über das Haus Israels vom Thron seines Vorfahren David herrschen. Während dies außerhalb des Bereichs der Möglichkeiten zu sein scheint, sagte der Engel zu Mirjam:

Denn bei Gott ist kein Ding unmöglich.

Lukas 1:37

Derselbe Gott, der das Rote Meer teilte, kann wirklich einen Weg finden, wo es keinen Weg gibt, wenn wir nur glauben. Aber es muss auf seine Art und zu seiner Zeit geschehen, nicht nach unserem Plan. Unsere Aufgabe ist es, in Hoffnung, Glauben und Erwartung zu warten, bis die festgesetzte Zeit eintrifft.


Krija Bet: 1.Mose 18:15-33

Im zweiten Abschnitt spricht JHWH zu Awraham und erzählt ihm, dass er die Städte Sodom und Gomorra bestrafen wolle.

Und JHWH sprach: Es ist ein großes Geschrei über Sodom und Gomorra, denn ihre Sünden sind sehr schwer. Darum will ich hinabfahren und sehen, ob sie alles getan haben nach dem Geschrei, das vor mich gekommen ist, oder ob’s nicht so sei, damit ich’s wisse.

1.Mose 18:20-21

Gott ist allmächtig, er müsste nicht nach Sodom und Gomorra gehen, um zu sehen, wie groß die Sünden sind. Dennoch tut er es, denn so gibt er den Städten noch ein wenig Zeit, um doch noch umzukehren. Dass Gott eigentlich Gnade walten lassen will, erkennt man in der folgenden Diskussion, die Awraham mit ihm führt.

Willst du denn den Gerechten mit dem Gottlosen umbringen? Es könnten vielleicht fünfzig Gerechte in der Stadt sein; wolltest du die umbringen und dem Ort nicht vergeben um fünfzig Gerechter willen, die darin wären?

1.Mose 18:23-24

Awraham beginnt zu handeln: Erst 50, dann 45, dann 30, dann 20 und zuletzt zehn. Sollte Gott nur zeh Gerechte in einer der Städte finden, würde er um derentwillen die Städte verschonen. Manche mögen sich nun fragen, weshalb Awraham nicht weiter handelte, z.B. bis fünf Personen oder sogar nur eine Person. In der rabbanitischen Tradition gibt es zwei Erklärungsansätze. Der erste sagt, dass Awraham nicht unter zehn Person handeln wollte, da acht Personen auf der Arche überlebt hatten und der neunte womöglich Henoch gewesen sei. Doch diese Auslegung halte ich nicht für plausibel, da die Bibel deutlich bezeugt, dass nicht neun, sondern tatsächlich nur acht Person die Sintflut überlebten.

die vor Zeiten sich weigerten zu glauben, als Gottes Langmut einstmals zuwartete in den Tagen Noahs, während die Arche zugerichtet wurde, in der wenige, nämlich acht Seelen, hindurchgerettet wurden durch das Wasser,

1.Petrus 3:20

Einige könnten nun sagen, dass an dieser Stelle steht, dass diese acht Seelen durch die Arche gerettet wurden und somit doch klar ist, dass Henoch als Entrückter auch überlebt haben könnte. Jedoch lesen wir nicht, dass Henoch in den Himmel entrückt wurde. Wohl eher das Gegenteil ist der Fall.

Und niemand ist hinaufgestiegen in den Himmel, außer dem, der aus dem Himmel herabgestiegen ist, dem Sohn des Menschen, der im Himmel ist.

Johannes 3:13

Die zweite und viel plausiblere Erklärung des rabbanitischen Judentum ist, dass 10 Personen die kleinste Einheit einer vollwertigen Gemeinde ist. Diese Einheit von 10 Personen wird im rabbanitischen Judentum auch als „Minjan“ bezeichnet. Der babylonische Talmud (Talmud bavli, Megilla 23b) leitet das Erfordernis eines Minjan durch die Kombination von drei Bibelversen ab.

Und ihr sollt meinen heiligen Namen nicht entheiligen; sondern ich will geheiligt werden in der Mitte der Kinder Israels, ich, JHWH, der euch heiligt,

3.Mose 22:32

Das Wort „in der Mitte“ heißt im Hebräischen „betoch“, abgeleitet von „tawek“ (Strong‘s H8432). Das selbe Wort erscheint auch als „dieser“ im Urtext folgenden Verses.

Sondert euch ab von dieser Gemeinde, dass ich sie in einem Augenblick vertilge!

4.Mose 16:21

Der Begriff „Gemeinde“, im Hebräischen „eda“ (Strong‘s H5712) wird wiederum auch in einem anderen Vers verwendet, der die zehn Kundschafter beschreibt, die einen negativen Bericht über das Land Israel zurückbrachten.

Wie lange soll ich diese böse Gemeinde dulden, die gegen mich murrt? Ich habe das Murren der Kinder Israels gehört, das sie gegen mich erheben.

4.Mose 14:27

Aus dieser Kombination folgern die Kommentatoren, dass die „Heiligung“ in der „Mitte“ einer „Gemeinde“ von zehn Personen stattfinden sollte. Der Jerusalemer Talmud (Talmud jeruschalmi, Megilla 4:4) bietet auch zwei Quellen für diese Anforderung.

Rede mit der ganzen Gemeinde der Kinder Israels und sprich zu ihnen: Ihr sollt heilig sein, denn ich bin heilig, JHWH, euer Gott!

3.Mose 19:2

Das Wort „Gemeinde“ in diesem Vers wird auch wieder mit 4.Mose 14:27 in Kontext gebracht. Da sich der Begriff „Gemeinde“ in dem späteren Vers auf die zehn Kundschafter bezieht, gilt das auch für den ersten Vers. Das „Ihr sollt heilig sein“ bezieht sich somit auf eine „Gemeinde“ von zehn Personen. Die zweite Quelle basiert auf dem Begriff „Kinder Israels“, der einerseits in 3.Mose 22:32 und andererseits in folgenden Vers vorkommt.

So kamen nun die Söhne Israels, um Getreide zu kaufen, mit anderen, die auch hingingen, weil im Land Kanaan Hungersnot herrschte.

1.Mose 42:5

So wie sich die „Kinder Israels“ im letzten Vers auf die zehn Söhne Jakobs beziehen, die nach Ägypten hinabzogen, um sich während der Hungersnot zu ernähren, so bezieht sich auch der erste Vers auf die Heiligung unter den „Kindern Israels“ in Gegenwart von zehn Personen. Diese Erklärung ist ein Versuch eine Situation trotz fehlender Information zu interpretieren. Es ist möglich, dass dies stimmt, es kann aber auch andere Gründe gegeben haben, dass Awraham nicht weiter verhandelt hat.


Krija Gimmel: 1.Mose 19:1-20

Nachdem sich Awraham mit JHWH auf zehn Personen geeinigt hatte, wechselt der biblische Bericht zu den zwei Engeln, die nach Sodom gingen. Sie begegneten als erstes Awrahams Neffen Lot, der dort im Tor saß. Eigentlich handelte Lot hier sehr törricht. Schon als Lot sich von Awram trennte, liest man, dass er in den Städten am Jordan lebte, wo es offensichtlich sehr fruchtbar war. Doch gibt es schon zu diesem Zeitpunkt eine Warnung.

Aber die Leute von Sodom waren sehr böse und sündigten schlimm gegen JHWH.

1.Mose 13:13

Eigentlich hätte er diese Warnung ernst nehmen müssen und in seinen Zelten leben sollen. Doch Lot tat dies nicht, vielleicht, weil ein städtisches Leben gewisse, luxeriöse Vorzüge bringt. Generell müssen wir feststellen, dass zur biblischen Zeit, gerade zu Beginn, die Städte oft ein Hort der Sünde waren. Die erste Stadt baute Kain (1.Mose 4:17), die nächsten Städte baute Nimrod (1.Mose 10:10-12), und während Awraham weiterhin in seinem Zelt bei den Herden lebte, trennte sich Lot und ging also in eine Stadt, die als sündig bekannt war. Das selbe Phänomen erleben wir auch heute mit der sogenannten „Landflucht“. Städte haben heute viele Probleme. In Deutschland verursacht die Landflucht das Problem der Gentrifikation, durch die die Immobilienpreise exponentiell steigen. Das Problem an diesen Preisen ist im Endeffekt die Zerstörung jeglicher familiärer Strukturen. Um sich eine Wohnung leisten zu können müssen Menschen viel arbeiten, in Familien arbeiten oft beide Ehepartner und die Konsequenz dessen ist, dass die Kinder fremdbetreut werden. Später werden die Kinder sogenannte Schlüsselkinder, sie hängen den Tag vor dem Laptop oder sind mit ihren Freunden im Park. Ich selber arbeite als Pädagoge und erlebe dieses Geschehen hautnah mit. Damals wie heute waren und sind Städte dafür mitverantwortlich, dass nicht nur Familien und familiäre Strukturen gebrochen werden, sondern auch die Individuen. Große Städte heute, bspw. Stuttgart, München, Frankfurt, Hamburg, Hannover, Berlin usw. sind Zeugnisse für diese zerbrochenen Individuen. Kaum kommt man mit dem Zug an und läuft durch den Hauptbahnhof, sieht man sie dort an den Wänden sitzen. Je nach Regierung mal mehr und mal weniger. In manchen deutschen Städten, z.B. Frankfurt gibt es ganze Straßenzüge, wo Junkies auf dem Gehweg liegen und ihren Rausch ausschlafen, oder dort tatsächlich wohnen. Auch Lot war gebrochen, er nannte die Einwohner Sodoms seine Brüder und bot ihnen seine verlobten Töchter zur Vergewaltigung an, um seine Gäste zu schützen. Aller Gastfreundschaft in Ehren, brachte Lot seine eigene Familie in Gefahr, da er in dieser sündigen Stadt lebte. Letztendlich muss Lot samt seiner Familie gerettet werden. Die Engel führen sie aus Sodom heraus, Gott JHWH fand nicht genug Gerechte und wollte deshalb die Stadt vernichten. Und so, wie Awraham mit JHWH verhandelte, versuchte es auch Lot.

Siehe, da ist eine Stadt nahe, in die ich fliehen kann, und sie ist klein. Dahin will ich mich retten, dass ich am Leben bleibe. Ist sie nicht klein?

1.Mose 19:20


Krija Dalet: 1.Mose 19:21-21:4

Nachdem nun Lot und seine Familie aus Sodom flüchten konnten, kamen sie nach Zoar. JHWH lies währenddessen Schwefel und Feuer vom Himmel regnen und zerstörte so Sodom, Gomorra und das ganze umliegende Land. Besonders interessant ist hier, dass dieses Geschehen tatsächlich von Geologen nachgewiesen werden konnte. In Israel, in der Nähe von Masada wurden Ruinen gefunden. Das gesamte Umland besteht aus einer Ebene aus festem Stein und Geröll aus Quarz und Feldspat. Doch das Gebiet dieser Ruinen ist etwa 3km x 3km groß (9 Quadratkilometer / 9.000.000 Quadratmeter) und besteht aus kleinen Hügeln, die mit einer dicken Schicht aus einer schweren, feinkörnigen Masse bedeckt sind. Die Steinquader der Ruinen sind weitgehend unberührt, aber erodiert. Im Unterschied zur Umgebung finden sich hier aber ascheartige Überreste, die alle erhabenen Stellen umschließen. Es handelt sich aber nicht um gewöhnliche Asche sondern eine Art Schlacke wie man sie bspw. Auch von Vulkanausbrüchen kennt. Nur mit dem Unterschied, dass der Vulkan fehlt. Besondere Relevanz haben die auffälilg in großer Anzahl auftretenden Schwefelbälle. Diese haben meistens einen Durchmesser von 1 bis 10 Zentimeter und haben sich in das Gestein eingebrannt. Die Auswirkungen des Schwefels sind überall sichtbar und viele der Schwefelbälle sind unter Luftabschluss in dem Gestein erloschen. Wenn man diese Bälle nimmt und aufbricht, hat man erstklassiges Schwefel, dass sich sofort durch einen Funken entzünden lässt. Genau diese geologischen Begebenheiten beschreibt auch Flavius Josephus in einem seiner Werke (Jüdische Kriege 4:8). Nun könnten einige sagen, dass dies eben eine geologische Eigenart dort in der Wüste sei, doch da es nicht die ganze Wüste betrifft, sondern nur dieses Areal, deuten die Indizien schon sehr hieb- und stichfest auf dieses biblische Ereignis hin. Für uns Gläubige in Jeschua hat diese Episode noch eine weitere Relevanz. Als Jeschua seine Jünger in Zweierpaaren zum Dienst fortschickt sagt er:

Wo immer ihr in ein Haus eintretet, da bleibt, bis ihr von dort weggeht. Und von allen, die euch nicht aufnehmen noch hören wollen, zieht fort und schüttelt den Staub von euren Füßen, ihnen zum Zeugnis. Wahrlich, ich sage euch: Es wird Sodom und Gomorra erträglicher gehen am Tag des Gerichts als jener Stadt!

Markus 6:10-11

Und auch Matthäus und Lukas berichteten von dieser Lehre, die Jeschua seinen Jüngern sagte. Doch dass Sodom und Gomorra mit dem zukünftigen Endgericht in Verbindung gebracht wird ist nichts neues. Auch an anderer Stelle lesen wir davon.

Ich will euch aber daran erinnern, obgleich ihr dies ja schon wisst, dass der Herr, nachdem er das Volk aus dem Land Ägypten errettet hatte, das zweite Mal diejenigen vertilgte, die nicht glaubten, und dass er die Engel, die ihren Herrschaftsbereich nicht bewahrten, sondern ihre eigene Behausung verließen, für das Gericht des großen Tages mit ewigen Fesseln unter der Finsternis verwahrt hat; wie Sodom und Gomorra und die umliegenden Städte, die in gleicher Weise wie diese die Unzucht bis zum Äußersten trieben und anderem Fleisch nachgingen, nun als warnendes Beispiel dastehen, indem sie die Strafe eines ewigen Feuers zu erleiden haben.

Judith 1:5-7

Auch Petrus beruft sich darauf, vermutlich sogar genau auf dieses Buch, als er seinen zweiten Brief schrieb.

Denn wenn Gott die Engel nicht verschonte, die gesündigt hatten, sondern sie in Fesseln der Finsternis in den Abgrund warf, um sie zum Gericht aufzubewahren, und wenn er die alte Welt nicht verschonte, sondern [nur] Noah, den Verkündiger der Gerechtigkeit, als Achten bewahrte, als er die Sintflut über die Welt der Gottlosen brachte, und auch die Städte Sodom und Gomorra einäscherte und so zum Untergang verurteilte, womit er sie künftigen Gottlosen zum warnenden Beispiel setzte, während er den gerechten Lot herausrettete, der durch den zügellosen Lebenswandel der Frevler geplagt worden war denn dadurch, dass er es mit ansehen und mit anhören musste, quälte der Gerechte, der unter ihnen wohnte, Tag für Tag seine gerechte Seele mit ihren gesetzlosen Werken), so weiß der Herr die Gottesfürchtigen aus der Versuchung zu erretten, die Ungerechten aber zur Bestrafung aufzubewahren für den Tag des Gerichts.

2.Petrus 2:4-9

Zu guter Letzt lesen wir, dass die Frau von Lot sich umdrehte, auf das Inferno schaute und zu einer Salzsäule erstarrte und tatsächlich steht im Hebräischen „nezib melach“ (Strong‘s H5333 + Strong‘s H4417), was exakt dies, Salzsäule, bedeutet. Welche Bedeutung dieses Geschehen damals hatte, wissen wir heute nicht mehr. Doch finden wir in der Bibel Verse, die uns einen Kontext für unsere Glaubenspraxis schaffen.

Es geschah aber, als sie ihre Reise fortsetzten, da sprach einer auf dem Weg zu ihm: Herr, ich will dir nachfolgen, wohin du auch gehst! Und Jeschua sprach zu ihm: Die Füchse haben Gruben, und die Vögel des Himmels haben Nester; aber der Sohn des Menschen hat nichts, wo er sein Haupt hinlegen kann. Er sagte aber zu einem anderen: Folge mir nach! Der sprach: Herr, erlaube mir, zuvor hinzugehen und meinen Vater zu begraben! Jeschua aber sprach zu ihm: Lass die Toten ihre Toten begraben; du aber geh hin und verkündige das Reich Gottes! Es sprach aber auch ein anderer: Herr, ich will dir nachfolgen; zuvor aber erlaube mir, von denen, die in meinem Haus sind, Abschied zu nehmen! Jeschua aber sprach zu ihm: Niemand, der seine Hand an den Pflug legt und zurückblickt, ist tauglich für das Reich Gottes!

Lukas 9:57-62

In diesem Geschehen erkennen wir die Relevanz, uns nicht umzudrehen. Das Umdrehen und Zurückschauen impliziert ein Vermissen dessen, was wir haben oder hatten. Lots Frau lebte in einer sündigen Stadt, sie wusste um die Sünden, sie hatte sie doch gesehen. Dennoch schaute sie zurück, als ihr ehemaliges Zuhause vernichtet wurde. Ebenso wie sie nicht hätte zurückblicken dürfen, sollen wir nicht auf unser vergangenes Leben zurückschauen. Wenn wir Jeschua nachfolgen und uns haben taufen lassen, leben wir in der Neuheit des Lebens und es gibt nichts lohnenswertes, was wir aus dem alten Leben vermissen könnten.

Oder wisst ihr nicht, dass wir alle, die wir im Gesalbten Jeschua hinein getauft sind, in seinen Tod getauft sind? Wir sind also mit ihm begraben worden durch die Taufe in den Tod, damit, gleichwie der Gesalbte durch die Herrlichkeit des Vaters aus den Toten auferweckt worden ist, so auch wir in einem neuen Leben wandeln.

Römer 6:3-4

Und gleichzeitig sehen wir die Relevanz des Vertrauens. Männer müssen Gott vertrauen, Frauen müssen Gott und ihren Männern vertrauen und Kinder müssen Gott und ihren Eltern vertrauen. Gibt es Krieg oder Not und der Mann verlässt das Haus, nimmt er selbstverständlich seine Familie mit. Die Aufgabe der Familie wird es jedoch sein, ihm zu folgen. Wir können also in das Verhalten von Lots Frau nicht nur eine Sehnsucht nach der Vergangenheit erkennen, sondern auch Rebellion gegen ihren Mann Lot und gegen Gott JHWH.

Und Lot zog weg von Zoar und blieb auf dem Gebirge mit seinen beiden Töchtern; denn er fürchtete sich, in Zoar zu bleiben; und so blieb er in einer Höhle mit seinen beiden Töchtern. Da sprach die ältere zu der jüngeren: Unser Vater ist alt und kein Mann ist mehr im Lande, der zu uns eingehen könnte nach aller Welt Weise.

1.Mose 19:30-31

Diese Verse implizieren, dass wenigstens die Töchter von Lot nicht wussten, dass nicht die gesamte Welt vernichtet wurde. Es musste ein großer Schock gewesen sein, die Heimat in Flammen zu sehen. Aus Angst rannte Lot aus Zoar in die Berge, offensichtlich hatte er kein Vertrauen mehr in Gott. Dies ließe sich damit begründen, dass er mit ansehen musste, wie seine Frau zur Salzsäule erstarrte. Statt seinen Töchtern zu sagen, dass ihre Flucht nur vorübergehend sei und sie bald wieder zu anderen Menschen gehen würden, versteckte er sich. Seine Töchter bekamen Existenzängste und erneut geschah Rebellion, in dem sie ihren Vater betrunken machten und mit ihm den Geschlechtsverkehr vollzogen. Lot musste sicher unter Schock gestanden haben, als er erfuhr, dass er Großvater werden sollte, doch muss der Schock zur Geburt sicher noch größer gewesen sein, als er die Namen der Enkel hörte.

Und die Ältere gebar einen Sohn, den nannte sie Moab; der wurde der Vater der heutigen Moabiter. Und die Jüngere gebar auch einen Sohn, den nannte sie Ben-Ammi; der wurde der Vater der heutigen Ammoniter.

1.Mose 19:37-38

Beide Namen sind Hebräisch. Moab bedeutet „Nachkomme des Vaters“ und Ben-Ammi bedeutet „Sohn meines Volkes“. Im späteren Verlauf der israelitischen Geschichte wurden die Moabiter und Ammoniter erbitterte Feinde der Israeliten. An dieser Stelle findet ein harter Bruch statt. Von Lot richtet sich der Fokus wieder auf Awraham und Sara. Beide gehen nach Kanaan ins Land des König w. Vermutlich ist Abimelech ein Titularname, seine Bedeutung lautet „mein Vater (ist) König“ und der Name taucht in der Geschichte von Jizchak (hebr. Isaak) erneut auf. Dieser König begehrte Awrahams Frau Sara, ohne zu wissen, dass sie schon verheiratet war. Wie schon in der Parascha Lech Lecha, lügt auch hier Awraham wieder aus Angst. Er hat kein Vertrauen, doch Gott JHWH ist ihm überaus gnädig. Seine Frau wurde nicht vergewaltigt, da Gott rechtzeitig einschritt und zur Wiedergutmachung erhielt sie allerlei Reichtümer. Oft betrachten Kommentatoren in dieser Episode nur das Verhalten von Awraham, was daran liegen mag, dass über Sara wenig Informationen auffindbar sind. Doch lasst uns Sara etwas genauer betrachten. Wir lesen nichts von Widerworten, keine Rebellion, sie steht ganz klar im Widerspruch zu Lots Frau und Töchtern. Sie lasst das Leid über sich ergehen, in Gefahr, vergewaltigt zu werden und obwohl ihr Mann etwas sehr unehrenhaftes tut, vertraut sie auf Gott. Petrus schreibt diesbezüglich:

Euer Schmuck soll nicht der äußerliche sein, Haarflechten und Anlegen von Goldgeschmeide oder Kleidung, sondern der verborgene Mensch des Herzens in dem unvergänglichen Schmuck eines sanften und stillen Geistes, der vor Gott sehr kostbar ist. Denn so haben sich einst auch die heiligen Frauen geschmückt, die ihre Hoffnung auf Gott setzten und sich ihren Männern unterordneten, wie Sara dem Awraham gehorchte und ihn »Herr« nannte. Deren Töchter seid ihr geworden, wenn ihr Gutes tut und euch keinerlei Furcht einjagen lasst.

1.Petrus 3:3-6

Weiter lesen wir in diesem Abschnitt, dass Sara einen Sohn zur festgesetzten Zeit, von der JHWH gesprochen hatte, zur Welt bringt.


Krija Hei: 1.Mose 21:5-21

Awraham nannte ihn Jizchak, was Lachen bedeutet, denn Sara sagte:

Und Sara sprach: Gott hat mir ein Lachen bereitet; wer es hören wird, der wird mir zulachen! Und sie sprach: Wer hätte das dem Awraham verkündet, dass Sara Kinder stillt, dass ich ihm einen Sohn geboren habe in seinem Alter?

1.Mose 21:6-7

Lasst uns die Verheißungen YHWHs in unserem eigenen Leben nicht durch Unglauben zunichte machen, aber seid voll und ganz davon überzeugt, dass JHWH seine Verheißungen, auch diejenigen, die nicht nur unwahrscheinlich, sondern auch absurd erscheinen, in seiner festgesetzten Zeit hervorbringen wird.

Ich verkündige von Anfang an das Ende, und von der Vorzeit her, was noch nicht geschehen ist. Ich sage: Mein Ratschluss soll zustande kommen, und alles, was mir gefällt, werde ich vollbringen.

Jesaja 46:10

Nachdem Sara nun dem Awraham einen Sohn geboren hatte und Gottes Verheißung in Erfüllung gegangen war, forderte Sara in ihrer Eifersucht, die Sklavin Hagar samt dem Sohn Jischmael (hebr.: Ismael) fortzuschicken.

Da stand Awraham früh am Morgen auf und nahm Brot und einen Schlauch mit Wasser und legte es Hagar auf ihre Schulter, dazu den Knaben, und schickte sie fort. Da zog sie hin und irrte in der Wüste umher bei Beerscheba. Als nun das Wasser in dem Schlauch ausgegangen war, warf sie den Knaben unter einen Strauch und ging hin und setzte sich gegenüber von ferne, einen Bogenschuss weit; denn sie sprach: Ich kann nicht ansehen des Knaben Sterben. Und sie setzte sich gegenüber und erhob ihre Stimme und weinte. Da erhörte Gott die Stimme des Knaben. Und der Engel Gottes rief Hagar vom Himmel her und sprach zu ihr: Was ist dir, Hagar? Fürchte dich nicht; denn Gott hat gehört die Stimme des Knaben dort, wo er liegt.

1.Mose 21:14-17

Nachdem Awraham Gott JHWH befragt hatte und dieser ihm versprach, für Jischmael zu sorgen, sandte er die beiden Weg. Doch schon bald gingen die Vorräte zur Neige. Interessant ist, dass es so beschrieben wird, als wäre Jischmael ein kleines Kind, dass man so herumtragen könnte. Doch wir müssen beachten, dass Jischmael zu diesem Zeitpunkt vermutlich schon 16 bis 18 Jahre alt war. Zu diesem Alter kommt man rechnerisch, wenn man beachtet, dass Jischmael bei seiner Beschneidung 13 Jahre alt war, sein Vater war zu dem Zeitpunkt 99 Jahre alt. Ein Jahr später kam Jizchak zur Welt und die beschriebene Vertreibung fand nach der Entwöhnung statt, die zur damaligen Zeit im Orient zwischen dem 2. und 4. Jahr nach der Geburt stattfand. Jischmal war also in jedem Fall schon ein Teenager und kein kleiner Knabe mehr. Doch weshalb wird er erzählerisch als kleiner Junge bezeichnet? Vielleicht war er geschwächt, die Trauer über die Vertreibung, oder eine Krankheit. Wir wissen es nicht. Doch an dieser Stelle dürfen wir erfahren, dass auch sein Name sehr prophetisch ist, denn der Name Jischmael setzt sich aus den Worten „schama“ (Strong‘s H8085) für „hören“ und „el“ (Strong‘s H410) für „Gott“ zusammen. Sein Name bedeutet „Gott hört“ oder „Gott hat erhört“ und genau dies geschieht. Nicht das Weinen von Hagar wurde erhört, sondern das Flehen von Jischmael. Wir dürfen also trotz aller nachfolgenden Widrigkeiten erkennen, dass Jischmael von seinem Vater im Glauben an JHWH unterwiesen wurde. Er kannte JHWH und betete zu ihm. In der Hinsicht ist es dann kein Wunder, dass JHWH, der im Hebräischen auch „Eloa“ (hebr.: poetische Form für „Gott“) genannt wird, auch zum „Allah“ (abgeleitet vom aramäischen „Alaha“) der arabischen Stämme wurde. Jischmael ist neben Awrahams anderen Söhnen und Nachfahren einer der Vorfahren der arabischen Stämme (1.Chronik 1:29-54). Doch trotz der Kenntnis über den wahren Gott, wurden die Araber vom Widersacher verführt, folgen nun dem Islam, beanspruchen das Land der Israeliten für sich und führen eine Jahrtausende alten Krieg gegen Gottes Volk.


Krija Waw: 1.Mose 21:22-34

Awraham lebte weiterhin im Land von Awimelech, bis es Streit um Land und Wasser gab. Aus dem Bericht erfahren wir, dass dies in der Region der heutigen Stadt Beerschewa stattfand. Beerschewa liegt in einer Halbwüstenzone im Norden der Wüste Negev. Die Region ist hügelig mit Kalkstein, wo der Regen sofort versickert, doch auf den Ebenen besteht der Boden aus Löss, so dass sich an diesen Stellen bei Regen sofort Oberflächenwasser bildet. In dem Geschehen zwischen Awraham und Awimelech erfahren wir, dass Beerschewa seinen Namen bekommt, da sie beide wegen der Brunnen einen Schwur leisteten. Das hebräische Wort „beer“ (Strong‘s H875) bedeutet „Grube“ oder „Brunnen“ und das Wort „schawa“ (Strong‘s H7650) bedeutet „Schwur“, also lautet der Name „Brunnen (des) Schwures“ oder „Schwurbrunnen“. Doch dies ist ein noch größeres Wortspiel. Denn das Wort „schewa“ (Strong‘s H7651) bedeutet auch „sieben“ und sieben Lämmer waren es, die Awraham zum Schwur opferte. An anderen Stellen in der Tora wird auf dieses Wortspiel erneut eingegangen. Biblisch ist die Stadt sehr bedeutsam, die häufig genannt wird. Auch Jizchak zog wegen Streitigkeiten um Brunnen nach Beerschewa (1.Mose 26:23); Jakob opferte in Beerschewa, als er in hohem Alter zu seinem Sohn Josef nach Ägypten zog (1.Mose 46:1-5); Beerschewa liegt im Stammesgebiet von Jehuda (hebr. Juda; Josua 15:28, Nehemia 11:27-30) und wird vom Stamm Schimeon (hebr.: Simeon) geerbt (Josua 19:2, 1.Chronik 4:28); die Versammlung der Stämme gegen Benjamin besteht u.a. aus Leuten von Beerschewa (Richter 20:1); ganz Israel, inkl. Beerschewa, erkennt die Autorität Schmuels (hebr.: Samuel) als Prophet an (1.Samuel 3:20) und seine Söhne Joel und Awija sind Richter in Beerschewa (1.Samuel 8:2); Awner will das Gebiet bis Beerschewa für Davids Regierung beanspruchen (2.Samuel 3:10); Huschai rät Awschalom (hebr.: Absalom), ganz Israel inklusive Beerschewa zu versammeln, um gegen David zu kämpfen (2.Samuel 17:11); bei der Volkszählung Davids wird ganz Israel inklusive Beerschewa registriert (2.Samuel 24:2-7, 1.Chronik 21:2), weswegen die Pest über ganz Israel inklusive Beerschewa ausbricht (2.Samuel 24:15); der Frieden zur Zeit Schlomos (hebr.: Salomo) kommt ganz Israel zugute, von Dan bis Beerschewa (1.Könige 5:5); Elija flieht vor Isebel über Beerschewa, wo er seinen Diener zurücklässt, in die Wüste (1.Könige 19:3); Zibja, die Mutter des Königs Joasch von Jehuda, kommt aus Beerschewa (2.Könige 12:2, 2.Chronik 24:1); Joschia von Jehuda zerstört die Höhenheiligtümer von Gebe bis nach Beerschewa (2.Könige 23:8); Joschafat von Jehuda bringt das Volk, inklusive Beerscheba, zurück zu JHWH (2.Chronik 19:4); ganz Israel inklusive Beerschewa soll unter Chiskija (hebr.: Hiskia) von Jehuda wieder in Jerusalem das Pessach (hebr.: Passa) feiern (2.Chronik 30:5); und in der prophetischen Literatur wird Beerschewa noch in Amos 5:5 und 8:14 erwähnt.


Krija Sajin: 1.Mose 22:1-24

Gott befiehlt Awraham, seinen Sohn Jizchak zu opfern. Nachdem Jizchak an einen Altar gebunden wurde, hält ein Engel den Awraham auf, bevor das Opfer beendet ist, und gibt Awraham anstelle von Jizchak einen Widder zum Opfern. In der Passage heißt es, dass sich das Ereignis auf dem „Berg JHWHs“ im „Land Morija“ ereignete. In 2. Chronik 3:1 wird der Berg Morija als der Ort des salomonischen Tempels bezeichnet, während in Psalm 24:3, Jesaja 2:3 und 30:29, sowie Sacharja 8:3 der Begriff „Berg JHWHs“ für den Ort des salomonischen Tempels in Jerusalem verwendet wird. Der zweite Tempel zur Zeit von Esra und Nehemia wurde schließlich auf den Ruinen dieses ersten Tempels errichtet und dieser existierte bis 70 n.u.Z., bis die Römer ihn zerstörten. Noch heute sind Reste des Tempelplateau erhalten, dass Herodes I. Während der Renovierung des Tempels errichten lies. Der Tempel selber, also der heilige Bereich samt dem Allerheiligsten wurden zerstört und zunächst mit einem Jupitertempel, später einer byzantinischen Basilika und schließlich mit dem muslimischen Felsendom bebaut. Vom eigentlichen Tempel blieb nichts übrig, wie Jeschua prophezeite.

Jeschua aber sprach zu ihnen: Seht ihr nicht dies alles? Wahrlich, ich sage euch: Hier wird kein Stein auf dem anderen bleiben, der nicht abgebrochen wird!

Matthäus 24:2

Die „Akeda“ (hebr.: Bindung) ist eine Episode in der Tora, über die man Bücher füllen könnte. Die Bibel verrät nicht, wie alt Jizchak zu diesem Zeitpunkt war. Einige rabbanitischen Gelehrte lehren, dass Jizchak ein Erwachsener im Alter von siebenunddreißig Jahren war, da die nächste Geschichte damit beginnt, dass über Saras Tod im Alter von 127 Jahren berichtet wird (1.Mose 23:1). Auch die Reaktion von Jizchak auf die Bindung wird in der biblischen Erzählung nicht erwähnt. Einige Kommentatoren haben argumentiert, dass er traumatisiert und wütend war, wobei sie sich auf die Tatsache berufen, dass er und Awraham im biblischen Bericht nicht mehr miteinander sprechen oder gemeinsam interagieren. Der rabbanitische Gelehrte Maimonides argumentiert in seinem Werk „More Newuchim“ (hebr.: Lehrer der Unschlüssigen), dass der Bericht die Bereitschaft Awrahams, Jizchak als Opfer darzubringen, die Grenzen der menschlichen Fähigkeit zu Liebe und Ehrfurcht vor Gott zeigt.

Die Erzählung gliedert sich in fünf Teile, die kreuzweise entgegengesetzt angeordnet sind: A (Verse 1–2): Gespräch zwischen Gott und Abraham; B (Verse 3–6): Wanderung von Abraham und Isaak; C (Verse 7–8): Gespräch zwischen Abraham und Isaak; BB (Verse 9–10): Wanderung zur Opferstätte; AA (Verse 11–19): Gespräch zwischen Gott bzw. dem Engel und Abraham. Die vier äußeren Teile A(A) und B(B) lassen sich noch einmal je vierfach unterteilen, der Mittelteil C fünffach (Schweigen, Frage, Antwort, Frage, Antwort). Die Antwort Abrahams in der formalen Mitte der ganzen Komposition lautet: „Mein Sohn, Gott wird sich ersehen ein Schaf zum Brandopfer.“ (V. 8), ist also Ausdruck des Vorsehungsglaubens Israels und eine Prophetie auf den Gesalbten Jeschua.

Siebenmal kommt im Text das Leitwort „sehen“ in verschiedenen Wortverbindungen vor, ebenso die Worte „Gott“ und „gehen“. Bei der Erzählung der Opferhandlung werden sieben Verben verwendet: Awraham „baut“ den Altar, „schichtet“ das Holz, „fesselt“ den Sohn, „legt“ ihn auf das Holz, „streckt“ seine Hand aus und „nimmt“ das Messer, um zu „schlachten“. Beim siebten Verb „schlachten“ kommt die Wendung in der Geschichte. Ein weiteres Leitwort ist die „Gottesfurcht“ Awrahams mit der Wurzel „jare“ (Strong‘s H3372), die im Wortspiel mit der ähnlich klingenden Wurzel „raa“ (Strong‘s H7200) verbunden wird. Weil zum Glauben Israels, im Wesentlichen die Vorsehung und das „Sehen Gottes“ gehört, kann der Text laut Auslegung als Gabe des heiligen Geistes gedeutet werden.

Das Binden von Jizchak wird im Hebräerbrief unter den vielen Taten des Glaubens erwähnt, die im Tanach aufgezeichnet sind:

Durch Glauben brachte Awraham den Jizchak dar, als er geprüft wurde, und opferte den Eingeborenen, er, der die Verheißungen empfangen hatte, zu dem gesagt worden war: »In Jizchak soll dir ein Same berufen werden«. Er zählte darauf, dass Gott imstande ist, auch aus den Toten aufzuerwecken, weshalb er ihn auch als ein Gleichnis wieder erhielt.

Hebräer 11:17-19

Awrahams Glaube an Gott ist so groß, dass er glaubte, Gott könne den getöteten Jizchak wieder auferwecken, damit seine Prophezeiung (1.Mose 21:12) in Erfüllung gehen würde. Die frühen christlichen Autoren übernahmen manchmal jüdische Interpretationen der Akeda, ohne sie näher auszuführen. So sagt zum Beispiel Hippolyt von Rom in seinem Kommentar zum Hohelied 2:15, dass der gesegnete Jizchak die Salbung begehrte, und er sich um der Welt willen opfern wollte. Andere Christen aus dieser Zeit sahen in Jizchak einen Typus des „Wort Gottes“, der auf den Gesalbten vorausweist (Origenes, „Predigten über Genesis und Exodus 11-13“). Diese Interpretation kann durch die Symbolik und den Kontext gestützt werden, z.B. dass Awraham seinen Sohn am dritten Tag der Reise opfert (1.Mose 22:4) oder dass Awraham das Holz nimmt und es seinem Sohn Jizchak auf die Schulter legt (1.Mose 22:6). Außerdem betont Gott immer wieder, dass Jizchak der einzige und erstgeborene Sohn Awrahams ist, den er liebt (1.Mose 22:2-16). Ein weiterer Beleg dafür, dass die Akeda die frohe Botschaft von Jeschua voraussagt, ist, dass Jizchak seinen Vater fragte, wo das Lamm sei, worauf Abraham sagte, dass Gott dafür sorgen werde (1.Mose 22:7-8). Letztendlich wurde jedoch ein Schafbock und kein Lamm an Jizchaks Stelle geopfert, der sich in einem Dornbusch verfangen hatte (1.Mose 22:13). Im Evangelienbericht sah Jochanan ha Madbil (hebr.: Johannes der Täufer) Jeschua auf sich zukommen und sagte:

Siehe, das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinwegnimmt!

Johannes 1:29

So wird die Akeda mit der Kreuzigung verglichen und der Aufschub des Opfers in letzter Minute ist ein Typus für die Auferstehung.

2 Gedanken zu “PERLEN DER TORA: PARASCHA WAJERA”

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