ZUCHT UND ORDNUNG – Teil 1: Die Kopfbedeckung der Frau


Über die Kopfbedeckung von Frauen wurde schon viel in jüdischer und christlicher Sicht geschrieben, mal mehr und mal weniger mit Fokus auf die Bibel.Dieser Artikel dient dem Versuch, ein möglichst vollständiges Bild zu diesem Thema zu ermöglichen. Um die zu schaffen, und ein historisches Verständnis für die Kopfbedeckung der damaligen, biblischen Zeit, aufzubauen, sah ich die Notwendigkeit, nicht nur ausschließlich auf die Bibel, sondern auch auf traditionelle Schriften und außerbiblische Quellen zurückzugreifen.

Zu Beginn dieser Ausarbeitung möchte ich deshalb darauf hinweisen, dass ich absolut nicht glaube, dass der Talmud oder andere rabbanitische Traditionsschriften gesetzgebend sind (siehe 1.Timotheus 1:3-4, 4:6-7; 2.Timotheus 4:2-5; Titus 1:13-14)! Ich denke, dass jeder, der mich kennt, oder diesem Kanal folgt, dies mittlerweile wissen sollte. Traditionelle Literatur dient mir immer nur für einen historischen Kontext, der Talmud ist für mich nicht mehr als ein Kommentar und Zeitzeuge der damaligen Kultur. Damit möchte ich betonen, dass die biblischen Inhalte wichtig sind und dies für mich auch die einzige Begründung für ein Kopftuch bei Frauen ist. In diesem Falle gilt wie immer, was Paulus sagte: 

prüft aber alle entscheidenden Einzelheiten darin [1.Kor.14:29; P.1:10; 1.J.4:1], das Vortreffliche [darin] haltet fest und gebraucht es in angemessener Weise!

1.Thessalonicher 5:21; GtÜ, B. Fischer, Haupttext

Kommen wir also zum eigentlichen Thema. In der rabbanitischen Tradition lesen wir, dass es damals obligatorisch war, dass ehrbare, verheiratete Frauen eine Kopfbedeckung trugen.

Und dies sind Beispiele für Frauen, die ohne Zahlung ihres Ehevertrags geschieden werden können: Eine Frau, die gegen die Vorschriften von Moses, d.h. Halacha, oder gegen die Vorschriften jüdischer Frauen, d.h. Sitte, verstößt. Die Mischna erklärt: […] Und wer gilt als Frau, die gegen die Vorschriften jüdischer Frauen verstößt? Eine, die zum Beispiel aus ihrem Haus geht und deren Kopf, d.h. Ihr Haar, freigelegt ist; […] 1»Folgende sind ohne Morgengabe zu entlassen: Die das mosaische Gesetz und jüdische [Sitte] übertritt. […]. Jüdische [Sitte übertreten] heißt, wenn sie mit dem entblößten Haupte ausgeht, […]« (Talmud bavli, Ketubot 72a:9-10; Lazarus Goldschmidt, 1929)

Talmud bavli, Ketubot 72a:9-10; Baruch Wahl, 2022

Weiter wird im Talmud erklärt, welche Grundlage der Tora das Gebot der Kopfbedeckung hat und was nach jüdischer Sitte als Kopfbedeckung gilt: 

Die Mischna erklärte: Und wer wird als Frau angesehen, die gegen die Vorschriften jüdischer Frauen verstößt?  Eine, die ausgeht und ihren Kopf freigelegt hat. Die Gemara fragt: Das Verbot, dass eine Frau mit unbedecktem Kopf ausgeht, ist nicht nur ein Brauch jüdischer Frauen.  Es ist vielmehr das Tora-Gesetz, wie es in Bezug auf eine Frau geschrieben steht, die von ihrem Ehemann verdächtigt wird, untreu gewesen zu sein: „Und er wird das Haupt der Frau aufdecken“ (4.Mose 5:18). Und die Schule von Rabbi Yishmael lehrte: Von hier aus gibt es eine Warnung an jüdische Frauen, nicht mit einem unbedeckten Kopf auszugehen, denn wenn die Thora besagt, dass eine Frau, die des Ehebruchs verdächtigt wird, ihren Kopf unbedeckt haben muss, bedeutet dies, dass eine verheiratete Frau muss bedecken im Allgemeinen ihren Kopf. Die Gemara erklärt: Nach dem Tora-Gesetz, Wenn sie ihren Kopf mit ihrem Korb [Kilta] bedeckt, scheint es gut und ist ausreichend.  Aber durch Vorschriften jüdischer Frauen, d.h. Sitte, ist dies auch verboten, selbst wenn ihr Kopf von ihrem Korb bedeckt ist; Sie benötigt eine umfangreiche Kopfbedeckung.2»Jüdische [Sitte] übertreten heißt, wenn sie mit entblößten Haupte ausgeht. Das Entblößen des Hauptes ist ja [ein Verbot] der Tora!? Es heißt nämlich: er entblöße das Haupt des Weibes (4.Mose 5:18), und in der Schule R. Jišma͑éls wurde gelehrt, dies enthalte ein Verbot für die Töchter Jisraéls, mit entblößtem Haupte auszugehen. – Nach der Tora ist es mit einem Kopfkörbchen erlaubt [dass zugleich als Kopfbedeckung dient], nach jüdischer [Sitte] aber auch mit einem Kopfkörbchen verboten.« (Talmud bavli, Ketubot 72a:19-72b:1; Lazarus Goldschmidt, 1929)

Talmud bavli, Ketubot 72a:19-72b:1; Baruch Wahl, 2022

Hier lesen wir, dass es damals obligatorisch war, dass ehrbare verheiratete Frauen eine Kopfbedeckung trugen. Dies liegt daran, dass Ehebrecherinnen, also unehrbaren, verheirateten Frauen das Haupt entblößt wurde. Das entblößte Haupt war ein Zeichen der Schande und des Fluches, die Kopfbedeckung wiederum ein Zeichen der Ehre und des Segens innerhalb der Ehe. Außerdem erkennen wir, dass eine Kopfbedeckung keine Mütze, sondern eine umfangreiche Bedeckung, also in Form eines Kopftuches oder Schleiers war. Diese traditionell-jüdische Auslegung galt damals in der Zeit des zweiten Tempels, also zur Zeit in der Jeschua und später auch die Apostel und Paulus wirkten. Diese Aussage wird in direkter Bezugnahme zur Tora getroffen:

Rede zu den Kindern Jisraël und sprich zu ihnen: Jedermann, dessen Weib abirrt und eine Untreue gegen ihn begeht: Hat ein Mann ihr beigelegen zur Besamung, und es blieb verborgen vor den Augen ihres Mannes, da sie sich heimlich hielt, und sie ist unrein geworden, ein Zeuge aber ist nicht da gegen sie, und sie ist nicht ergriffen worden, und nun ist über ihn ein Geist des Eiferns gekommen, so daß er eifersüchtig wird auf sein Weib, und sie ist unrein geworden; […] der Priester lasse sie hintreten und stelle sie vor den Ewigen. […] Dann stelle der Priester das Weib vor den Ewigen und mache das Haupt des Weibes frei […] Und der Priester beschwöre sie und spreche zu dem Weib: ,[…] Wenn du aber, unter deinem Mann stehend, abgeirrt und unrein geworden bist, und jemand sein Beilager bei dir gehalten hat außer deinem Mann‘ – so beschwöre der Priester das Weib mit dem Schwur des Fluches und spreche der Priester zum Weib – ,so mache dich der Ewige zum Fluch und zum Schwur unter deinem Volk, […] Und es spreche das Weib: ,Amen! Amen!‘ […] Wenn sie unrein geworden ist und eine Untreue begangen hat gegen ihren Mann, so […] das Weib wird zum Fluch werden in der Mitte ihres Volkes. […] jenes Weib hat ihre Schuld zu tragen.3»Rede zu den Söhnen Israel und sage zu ihnen: Wenn die Frau irgendeines Mannes auf Abwege gerät und Untreue gegen ihn begeht, und ein anderer Mann liegt bei ihr zur Begattung, und es bleibt verborgen vor den Augen ihres Mannes, und sie hat sich im Verborgenen unrein gemacht, und es ist kein Zeuge gegen sie da, und sie ist nicht ertappt worden; und der Geist der Eifersucht kommt über ihn, und er wird eifersüchtig auf seine Frau, und sie hat sich wirklich unrein gemacht; […] Und der Priester soll sie herantreten lassen und sie vor JHWH stellen. […] Und der Priester stelle die Frau vor JHWH und lasse das Haupthaar der Frau herabhängen […] Und der Priester soll sie beschwören und zu der Frau sprechen: […] Wenn du aber, die du unter deinem Mann bist, auf Abwege geraten bist und dich unrein gemacht hast und ein Mann bei dir gelegen hat außer deinem eigenen Mann – und so soll der Priester die Frau beschwören mit dem Schwur der Verfluchung; und der Priester soll zu der Frau sprechen –: Dann mache JHWH dich zur Verfluchung und zum Schwur inmitten deines Volkes, […] Und die Frau soll sagen: Amen, Amen! […] wenn sie sich unrein gemacht und Untreue begangen hat gegen ihren Mann, dass […] die Frau wird zum Fluch werden inmitten ihres Volkes. […] eine solche Frau aber soll ihre Schuld tragen.« (4.Mose 5:12-31; Elberfelder2006)

4.Mose 5:12-31; Tur-Sinai

Manche Übersetzer übersetzen diese Verse leider so, als ob der Priester nicht eine Kopfbedeckung weg nehmen würde, sondern als ob er einen Zopf öffnen oder eine Frisur lösen würde. Im hebräischen Text finden wir aber nichts wie „Frisur lösen“, „Zopf öffnen“ oder etwas, was die Haare betrifft. Dort steht „u-para eth rosch ha-ischscha“. Das Wort „rosch“ (Strong’s H7218) heißt Haupt oder Kopf. Haare hingegen sind im Hebräischen „sear“ (Strong’s H8177 und H8181) oder „saara“ (Strong’s H8185), während eine Frisur als „miksche“ (Strong’s H4748) bezeichnet wird. Und das Wort „para“ (Strong’s H6544) bedeutet zwar auch „lösen“ oder „öffnen“, aber eben im entblößenden Sinne – es bedeutet ursprünglich also „bloßstellen“, „aufdecken“ und „nackt machen“. Sprachlich ist das Öffnen oder Lösen der Haare bzw. eines Zopfes oder einer Frisur hier nicht gegeben. Wörtlich steht dort „Kopf entblößen“. Bereits der Tanach berichtet vor Gabe der Tora am SInai von einer Verschleierung der Frauen. So verschleiert sich Riwka, die zukünftige Frau von Jitzchak, als sie ihn sah:

Und Jizhak ging gegen Abend hinaus, um sich auf dem Feld zu ergehen. Da hob er seine Augen und sah: Kamele kamen daher. Und auch Ribka hob ihre Augen und sah Jizhak. Da ließ sie sich vom Kamel herab und sprach zu dem Knecht: «Wer ist jener Mann, der dort auf dem Feld uns entgegenkommt?» Und der Knecht sprach: «Das ist mein Herr!» Da nahm sie den Schleier und verhüllte sich.

1.Mose 24:63-65; Tur-Sinai

Doch gibt auch die Bibel Hinweise darauf, wie Kopftücher ausgesehen haben könnten? Auch hier finden wir Hinweise im Tanach. Dafür muss betrachtet werden, welche Worte für weibliche Kopfbedeckungen in der hebräischen Sprache Verwendung finden. Eines, das auch heute Verwendung findet ist “Mitpachath” (מִטְפַּחַת), heute als “Schleier” oder “Umhang” übersetzt, was vom Wort “Taphach” (טָפַח) stammt, was wiederum “ausgebreitet” bedeutet:

Dann sagte er: «Gib das Tuch her, das du anhast, und fasse daran!» Und sie faßte daran, und er maß sechs (Maß) Gerste (hinein) und lud es ihr auf. Dann ging er zur Stadt hinein.

Ruth 3:15; Tur-Sinai

Andere Übersetzer übersetzen an dieser Stelle auch mit “Umschlagtuch” oder “Mantel”, was dafür spricht, dass dieses Tuch offensichtlich groß genug war, um Körper und Kopf zu bekleiden. In der jüdischen Tradition finden wir hier Ähnlichkeiten mit dem heute, nach jüdischer Tradition nur noch von Männern getragenen “Tallith” (טַלִּית) ein meist viereckiges Tuch aus Wolle, Baumwolle, Leinen oder Seide, das auch Gebetsschal oder Gebetsmantel genannt wird und mit Maßen von bis zu 4m² an die ursprüngliche Funktion eines Schleiers, Obergewandes oder Mantels erinnert. Tallith stammt aus der aramäischen Wurzel T-L-L (ט־ל־ל) und bedeutet “Bedeckung”. Das Wort ist verwandt mit der hebräischen Wurzel Ts-L-L (צ־ל־ל), welches die Wurzel für “Tsel” (צֵל) ist und “Schatten”, bzw. “beschattend” bedeutet. In diesem Sinne könnte man Tallith und Mitpachath im ursprünglichen Sinne synonym zueinander nutzen, nur dass das eine Tuch von Männern und das andere von Frauen getragen wird. Ein weiteres Wort für Kopfbedeckung ist “Radiyd” (רָדִיד), abstammend von “Radad” (רָדַד) im Sinne von “ausbreiten” und findet wie Mitpachath auch zweimal Erwähnung im Tanach: 

Es fanden mich die Wächter, die die Stadt durchstreiften sie schlugen mich zu Wunden sie nahmen mir mein Hülltuch fort die Wächter der Mauern.

Hoheslied 5:7; Tur-Sinai

In anderen Übersetzungen finden wir hier das Wort “Schleier” oder “Umhang” und erkennen an der ausdrücklichen Nennung des Geschehens, dass die Wächter etwas taten, was eine Schmach für die Frau war. Weiter heißt es in der rabbanitischen Tradition in Bezugnahme zum Tanach, dass genau das entblößte Haar nicht nur ein Zeichen der Unehre, sondern auch unsittlich ist:

In diesem Sinne sagte Rav Chisda: Sogar das exponierte Bein einer Frau gilt als Nacktheit, wie es heißt: „decke dein Bein auf und gehe durch die Flüsse“ (Jesaja 47:2), und es steht im folgenden Vers: „deine Blöße wird offenbart und deine Schande wird gesehen werden“ (Jesaja 47:3). […] In ähnlicher Weise erklärte Rav Scheschet: Sogar das Haar einer Frau gilt als Nacktheit, denn auch es wird gelobt, wie geschrieben steht: „Dein Haar ist wie eine Herde Ziegen, die vom Berg Gilead herablaufen“ (Hohelied 4:1).4»R. Ḥisda sagte: Die Wade ist bei einem Weibe Scham, denn es heißt: entblöße die Wade und durchwate Ströme (Jes. 47:2), und darauf folgt: daß deine Scham aufgedeckt und deine Schande gesehen wird (Jes. 47:3). […] R. Šešeth sagte: Das Haar ist bei einem Weibe Scham, denn es heißt:dein Haar wie der Ziegenherde (Hohelied 4:1).« (Talmud bavli, Berachot 24a:17; Lazarus Goldschmidt, 1929)

Talmud bavli, Berachot 24a:17; Baruch Wahl, 2022

Wenn wir nun die genannten Verse aus Jesaja komplett und im zusammenhängenden Kontext zueinander betrachten, sehen wir erneut und auch unabhängig der rabbanitischen Tradition, dass entblößtes Haar als schändlich gilt:

Die Mühle nimm Mehl mahle tu ab dein Schleiertuch zieh fort die Schleppe mach bloß den Schenkel durchwate Ströme. Enthüllt wird deine Blöße ja, sichtbar deine Schmach; will Rache nehmen stoß mich an Menschen nicht.

Jesaja 47:2-3; Tur-Sinai

Interessant wird der Gesamtkontext aus Jesaja, denn hier erkennen wir, dass das Fortnehmen der Kopfbedeckungen dem Scheren des Hauptes gleicht:

Und der Ewige sprach: Weil hochmütig sind die Töchter Zijons, einherschreiten mit gerecktem Hals und aufgeschminkten Augen, gehen trippelnden Gangs und mit ihren Füßen tänzeln, wird der Herr den Scheitel der Töchter Zijons vergrinden und ihre Schläfe abkahlen. An jenem Tag raubt der Herr die Pracht der Fußspangen und der Sönnchen und Möndchen, die Tropfenperlen, Kettchen und Schleier, die Kopfbunde, Schrittkettlein und Gebinde und Seelenbüchslein und Amulette, die Ringe und Nasenreifchen, die Prachtgewänder und Überkleider und Schals und Umwürfe, die Tücher und Hemdchen und Turbane und Schleier. Dann wird statt Balsam – Moder sein, und statt der Schärpe – Strieme, und statt des Haargekräusels – Glatze, und statt des Trommeljubels – Sackzeug; so statt der Schönheit!

Jesaja 3:16-24; Tur-Sinai

Dieser Kontext kommt manchen vielleicht bekannt vor. Auch der jüdische Gelehrte Paulus erwähnte dies. Im Brief an die Korinther schreibt Paulus, dass Frauen beim Gebet dringend eine Kopfbedeckung tragen sollen, um ihr Haupt nicht zu schänden:

Jede Frau aber, die betet oder prophetisch redet mit nicht angemessen verhülltem Haupt, schändet in grundlegender Beziehung ihr Haupt, denn sie ist ein und dasselbe wie die Kahlgeschorene. [d.h. ihren eigenen Kopf u. zugleich ihr Haupt, ihren Mann]. Denn wenn eine Frau sich nicht angemessen verhüllt, so soll sie sich auch das Haar scheren, wenn es aber für eine Frau schändlich ist, dass sie sich schert oder sich kahlschert, so soll sie sich angemessen verhüllen! [Die Begründung dafür (1.Kor.11:7-13) vgl. 1.M,1:27, 2:18, 2:21-23]

1.Korinther 11:5-6; GtÜ, B.Fischer, Haupttext

Doch Paulus erwähnt einen Satz, der einerseits unscheinbar wirkt, andererseits offensichtlich wichtig für ihn war und für uns heute nur schwer zu erklären ist. Gelehrte haben viel, aber ohne Konsens, diese Passage im Korintherbrief diskutiert.

Deshalb ist die Frau verpflichtet, ein Bevollmächtigungszeichen auf dem Haupt zu haben wegen der Engel.

1.Korinther 11:10; GtÜ, B.Fischer, Haupttext

Die schwierigsten Worte sind “wegen der Engel”. Eine Interpretation ist, dass sich dies auf “die gefallenen Engel“ aus 1.Mose bezieht. 

Die Riesen waren auf Erden in jenen Tagen und auch nachher noch, da die Gotteswesen zu den Töchtern der Menschen kamen, und die ihnen gebaren. Dies sind die Helden, die in Urzeiten die berühmten Männer waren.

1.Mose 6:4; Tur-Sinai

Diese Interpretation basiert mitunter auf Grundlage der deuterokanonischen und pseudo-epigraphischen, jüdischen Büchern wie dem Buch 1.Henoch, dem Buch der Jubiläen oder dem Buch der Giganten, die vermutlich ab dem 3. Jhd. v.u.Z., vor der Veröffentlichung von christlichen Schriften, veröffentlicht wurden5»Was die Genesis in gerade einmal vier Versen erzählt, findet sich deutlich umfangreicher im Wächterbuch entfaltet, einer Schrift, die aus dem 3. Jh.v.Chr. stammt. Sie ist die älteste nicht-biblische Version der Vereinigungsgeschichte, die uns überliefert ist. Die Textzeugen aus Qumran erlauben den Schluss, dass die ursprüngliche Abfassungssprache Aramäisch war. Im Laufe der Zeit wurde das Wächterbuch Teil einer Schriftensammlung, die heute Erstes Henochbuch (1 Hen) oder Äthiopisches Henochbuch (äthHen) genannt wird.27 Es ist deswegen bedeutsam, da es – wahrscheinlich als erste Schrift – das Vereinigungsmotiv mit Erzählstoffen zu Henoch verbindet, einer Figur, die in Gen 5 in der Liste der vorsintflutlichen Vorväter eingereiht ist.28 Diese Stoffverschränkung hatte in der Folgezeit großen Einfluss. Das Wächterbuch präsentiert sich als Segensrede Henochs, die sich an eine ferne Generation richtet (vgl. zum Aufbau die Graphik). In der Einleitung (1 Hen 1–5) kündigt Henoch ein großes Gericht an und kontrastiert das segensvolle Schicksal der Gerechten mit dem unheilvollen Schicksal der „Frevler“, derjenigen also, die Verfehlungen begangen haben. Mit 1 Hen 6 beginnt die Erzählung über die Vereinigung himmlisch-männlicher Wesen mit irdischen Frauen. Im Wächterbuch sind die himmlischen Protagonisten nicht „Gottessöhne“ wie in Gen 6, sondern Vertreter einer besonderen Engelgruppe, der so genannten Wächterengel.29 Auch diese Engel nehmen sich menschliche Frauen, werden dadurch aber nicht Väter „berühmter Männer“ (Gen 6,4), sondern Väter gefräßiger Riesenwesen. Als weiterer Unterschied gegenüber Gen 6 bringen die Wächter Wissen unter die Menschen, das diesen zuvor nicht bekannt war. Auf der Erde führt all dies zu großen Umwälzungen negativer Art und zu großer Not. Die erste Fortführung (1 Hen 9–11) handelt von der Reaktion in der himmlischen Sphäre. Vier hochrangige Engel fragen Gott um Rat, was zu tun sei. Gottes Sicht auf die Dinge bleibt bis zu diesem Punkt unbekannt. Das Wächterbuch offenbart seiner Leserschaft, dass Gott den Übeltätern mit einem klaren Plan entgegentritt: Die Engel sollen gefesselt werden und die Zeit bis zum großen Gericht an einem Ort unter der Erdoberfläche verbringen. In der zweiten Fortführung (1 Hen 12–36) tritt Henoch als Vermittler zwischen den Wächterengeln und Gott auf. Henoch eröffnet ihnen, dass Gott ihr Bittgesuch um Vergebung zurückgewiesen hat. Insgesamt bekräftigt dieser Schlussteil, dass Gottes Pläne feststehen und dass Gott in souveräner Weise fähig und willens ist, Verfehlungen zu ahnden, die die Gesamtordnung zerrütten und Leid verursachen, selbst wenn die Täter himmlische Wesen sind. Das Vereinigungsmotiv spielt im Wächterbuch eine zentrale Rolle. Die Schrift verurteilt das Verhalten der himmlischen Protagonisten aufs Schärfste und stellt es als Verstoß gegen Gottes Ordnung dar. Gemäß dem Wächterbuch sind sich die Engel durchaus bewusst, falsch zu handeln. Noch bevor sie auf die Erde herabsteigen, bemerkt der Anführer der Engelgruppe, Schemihasa: „Ich fürchte, ihr werdet vielleicht nicht willens sein, diese Tat auszuführen, und ich werde allein büßen für ein großes Vergehen.“31 In der Folge schwört die Gruppe einen Eid, dass alle mitmachen (1 Hen 6,3–5). Ganz allgemein betont das Wächterbuch, dass ein guter Lebenswandel darin besteht, die von Gott jedem Wesen und jeder Spezies zugeteilte Rolle zu akzeptieren. Geschöpfe sind demnach gut oder rechtschaffen, wenn sie durch ihr Verhalten dazu beitragen, Gottes perfekte Ordnung umzusetzen.32 Dagegen versündigen sie sich, wenn sie diese Ordnung durcheinanderbringen. Genau Letzteres wird den Engeln angelastet, denn gemäß dem Wächterbuch ist die Fortpflanzung nur für sterbliche Erdenwesen gedacht – „so dass ihnen also nichts fehlt auf Erden.“ (15,5) Genau aus diesem Grund gibt es unter den unsterblichen, himmlisch-geistigen Engeln keine Frauen. Indem sie sich Frauen genommen und Wissen vermittelt haben, das Gott den Menschen nicht zugedacht hat (vgl. 13,2; 16,3), überschritten die Engel in illegitimer Weise die Grenzen zwischen Himmel und Erde. Das Resultat dieser Grenzüberschreitungen – sowohl die Nachkommen als auch die Anwendung des neu erworbenen Wissens durch die Menschen – konnte nur unheilvoll sein.« (Veronika Bachmann: „Himmelsmänner, verführt von Menschenfrauen? Die frühjüdischen Versionen der Erzählung über die Verbindung von „Gottessöhnen“ mit „Menschentöchtern“ (Gen 6,1–4)“; Veröffentlicht in: Eileen Schuller und Marie-Theres Wacker (Hrg.), Frühjüdische Schriften (Die Bibel und die Frauen 3/1), Stuttgart: Kohlhammer Verlag 2017, S.108-132. Siehe: Academia.edu..

Dieser Interpretation zufolge sind die “Gotteswesen” (oder “Söhne Gottes“), die in 1.Mose erwähnt werden,  Engel, die die Schönheit von Frauen sahen und sexuelle Beziehungen zu ihnen hatten, die zu halb menschlichen und halb engelhaften Kindern führten, die Riesen waren und “Nephilim” (נְפִילִים) genannt wurden. Diese Interpretation setzt aber ohne biblischen Grund voraus, dass Engel sexuelle Wesen sind und diese männlicher Natur sind. Im Buch Henoch steht:

Als sich die Menschenkinder vermehrten, wurden ihnen damals schöne und liebliche Töchter geboren. Als die Engel, die Himmelssöhne, sie erblickten, gelüstete es sie nach ihnen, und sie sprachen zueinander: „Wir wollen uns Weiber aus den Menschenkindern wählen und uns Kinder erzeugen!“

1.Henoch 6:1-2

Alle andern bei ihnen nahmen sich Weiber, und jeder von ihnen wählte sich eines aus. Dann begannen sie, zu ihnen zu gehen und sich an ihnen zu verunreinigen. Und sie lehrten sie Zaubermittel, Beschwörungen und Wurzelschneiden und machten sie mit Pflanzen bekannt. Sie wurden nun schwanger und gebaren Riesen, die 3000 Ellen groß waren. Diese verzehrten alle Vorräte der andern Menschen. Als aber die Leute ihnen nichts mehr geben konnten, wandten sich die Riesen gegen diese und fraßen sie auf. Und sie begannen, sich an den Vögeln, wilden Tieren, Kriechtieren und Fischen zu vergreifen, das Fleisch voneinander aufzufressen und das Blut zu trinken. Da klagte die Erde wider die Unholde.

1.Henoch 7:1-6

Sie gingen zu den Menschentöchtern auf der Erde, schliefen bei den Weibern und verunreinigten sich; dann machten sie sie mit allen Arten von Sünden bekannt. Die Weiber gebaren Riesen und dadurch ward die ganze Erde von Blut und Ungerechtigkeit erfüllt. Nun schreien die Seelen der Gestorbenen und klagen bis zu des Himmels Pforte. Ihre Klagen sind emporgestiegen, und sie können angesichts der auf Erden verübten Gottlosigkeit nicht aufhören.

1.Henoch 8:8-10

Und im Buch der Jubiläen heißt es:

Er zeugte gegen die Wächter, die mit den Menschentöchtern sündigten. Denn jene begannen, den Menschentöchtern beizuwohnen, so daß sie befleckt wurden, und Henoch zeugte gegen sie alle.

Jubiläen 4:22

Als die Menschenkinder begannen, sich auf Erden zu mehren, und ihnen Töchter geboren wurden, da sahen Gottes Engel in einem Jahr dieses Jubiläum, daß sie schön anzuschauen waren. Da nahmen sie sich aus ihnen allen zu Weibern nach ihrer Wahl, und sie gebaren ihnen Kinder, und dies sind die Riesen. Da wuchs die Zügellosigkeit auf Erden und alles Fleisch verderbte seinen Wandel, Mensch und Vieh, wilde Tiere und Vögel, überhaupt alles, was auf Erden wandelte. Sie alle verderbten ihre Wege und ihre Sitten, und sie begannen, sich gegenseitig aufzufressen. So wuchs die Zügellosigkeit auf Erden, und alles Sinnen und Planen der Menschen war fortwährend böse.

Jubiläen 5:1-2

Dies ist eine Möglichkeit, die auch viele andere Bibelausleger als Erklärung für die Worte von Paulus in Erwägung ziehen. Eine weitere, viel wichtigere Interpretation bezieht sich auf das eigentliche Wort Engel, welches auf Griechisch „Angelos“ (ἄγγελος) heißt. die Korrekte Übersetzung ist einerseits Engel, wie sie Paulus verwendet:

Ihr wisst aber, dass ich euch einst veranlasst durch, Schwachheit des Fleisches das Evangelium verkündet habe und trotz eurer Versuchung infolge meines leiblichen Zustands habt ihr mich nicht als nichtswürdig verachtet noch ̇[habt ihr ausgespuckt] mit Abscheu reagiert, sondern wie einen Engel Gottes habt ihr mich aufgenommen, wie den Gesalbten Jeschua.

Galater 4:14; GtÜ, B.Fischer, Haupttext

Offensichtlich vergleicht Paulus sich selber mit einem Engel, vielmehr noch, mit Jeschua, und bezeichnet diesen in diesem Sinne als Engel. Wie lässt sich dies nun damit vereinbaren, dass Jeschua Gottes Sohn ist? Eine Zweite Bedeutung von Angelos ist Botschafter, wie wir z. B. in Matthäus gut lesen können:

Oder was seid ihr hinausgegangen um es zu sehen? Einen Propheten? Ja, sage Ich euch, und überfließend mehr als einen Propheten. Dieser ist es, von dem geschrieben ̇steht: »Siehe, Ich schicke Meinen Kündungsbeauftragten [/ Boten] vor Deinem Angesicht her, der Deinen Weg angemessen zurüsten wird vor Dir her. [2.M.23:20; Ma.3:1; Mk.1:2] Wahrheitsgetreu sage Ich euch: Nicht ist erweckt worden inmitten der von Frauen Geborenen ein Größerer als Johannes der Täufer; aber der Kleinste in der Regentschaft der Himmel ist größer als er.

Matthäus 11:9-11; GtÜ, B.Fischer, Haupttext

Matthäus, der Autor zitiert hier aus dem Buch Maleachi, das im Ursprung in hebräischer Sprache geschrieben wurde und deshalb nicht den Begriff Angelos verwendet:

Sieh, ich sende meinen Boten, daß er den Weg vor mir freimacht, und plötzlich kommt zu seinem Tempel der Herr, den ihr sucht, und des Bundes Bote , den ihr verlangt, sieh, er kommt, spricht der Ewige der Scharen.

Maleachi 3:1; Tur-Sinai

Das in diesem Vers verwendete Wort für Bote ist im Hebräischen das Wort „Malach“ (מַלְאָךְ) und wird im Tanach einerseits ca. 100 Mal mit Engel, andererseits aber ebenso oft mit “Bote” oder “Botschafter” übersetzt. Deutlich geht aus dem Tanach hervor, dass das Wort Malach nicht einem himmlischen Engel vorbehalten ist, sondern jeden Botschafter bezeichnet, so z. B. auch Propheten.

Da sprach Haggai, der Bote des Ewigen, in Botschaft des Ewigen zum Volk und sagte: „Ich bin mit euch! ist Gottes Spruch.“

Haggai 1:13; Tur-Sinai

Wenn wir in diesem Sinne also Jeschua oder auch Johannes den Täufer als Botschafter bezeichnen, ist auch der Apostel Paulus, aber auch jeder Verkünder der frohen Botschaft von Frieden und Heil ein Bote, bzw. ein Engel im Sinne dieses hebräischen Wortes Malach, dessen griechisches Äquivalent nun einmal Angelos ist. Verbleiben wir nun in der Annahme, dass auch Menschen Engel im Sinne von Boten sind, kann der Vers aus 1.Korinther noch einmal anders interpretiert werden. Wenn nun also Frauen in irgendeiner Art und Weise, sei es durch aufreizende Kleidung, oder im Gesamtkontext betrachtet, durch entblößtes Haar negativ auffallen, ist dies ein Anstoß. Jeschua lehrt, dass kein gläubiger Mensch anderen Gläubigen einen Anstoß (“Verstrickung”) zur Sünde geben darf.

Wehe der Welt wegen der Verstrickungen! Denn es ist Notwendigkeit, dass die Verstrickungen kommen. Jedoch wehe dem Menschen, durch den die Verstrickung kommt! [M.26:24]

Matthäus 18:7; GtÜ, B.Fischer, Haupttext

Anstöße zur Sünde definieren sich dadurch, dass die Einen durch das Handeln Anderer sündiges Verhalten aufweisen. In 2.Mose haben wir das Verbot, nach dem Hab des Nächsten zu begehren:

Du sollst nicht begehren das Haus deines Nächsten! Du sollst nicht begehren das Weib deines Nächsten, noch seinen Knecht, seine Magd, seinen Ochsen, seinen Esel, noch alles, was deinem Nächsten gehört.

2.Mose 20:14; Tur-Sinai

Im Kontext zu unsittlicher Kleidung, sehen wir durch die Lehre Yeshuas, wie wichtig die Verantwortung eines Jeden diesbezüglich ist:

Ihr habt gehört, dass gesagt wurde: »Nicht [wirst] darfst du ehebrechen [2.M.20:14/ 5.M.5:18].«, aber [Ich] sage euch [dass]: Jeder, der eine Frau anblickt, [zu dem Zweck] um sie zu begehren hat schon die Ehe  an[/mit] ihr gebrochen in seinem Herzen. [M.15:19/ ̇Mk.7:21-22]

Matthäus 5:27+28; GtÜ, B.Fischer, Haupttext

In diesem Sinne gilt definitiv, was der Apostel Johannes der Gemeinde schreibt:

Liebt nicht [und wollt nicht lieben] die Welt [auch] noch die Dinge in der Welt! Wenn jemand die Welt liebt, ist die Liebe des Vaters [/zum Vater] nicht in ihm [M.6:24; Jk.4:4] denn alles, [das] was in der Welt ist, die Begierde des Fleisches und die Begierde der Augen [1.M.3:6] und die Großtuerei [Jk:4:16] des irdischen Lebens, ist nicht aus dem Vater, sondern ist aus der Welt. [vgl. 1.Kö.19:11-12]. Und die Welt vergeht [1.K.7:31] und ihre Begierde; wer aber  den Willen Gottes [grundsätzlich und] ständig tut, bleibt für den Äon [Ewigkeit]. [Ps.37:27; M.7:21]

1.Johannes 2:15-17; GtÜ, B.Fischer, Haupttext

Oft bringen Gläubige an dieser Stelle einen aus den Kontext gerissenen Vers des selben Kapitels von Paulus:

Lehrt euch nicht auch die Natur selbst, dass wenn ein Man langes Haar trägt, es Wertlosigkeit für ihn ist, wenn aber eine Frau langes Haar trägt, es Herrlichkeit für sie ist? Denn das Haupthaar ist ihr anstatt eines Umwurfs gegeben.

1.Korinther 11:14-15; GtÜ, B.Fischer, Haupttext

Wie man dieser Ausarbeitung bereits vermutlich entnehmen kann, ist meine Überzeugung, dass das Thema dieses Abschnittes ist, dass die Frau beim Beten oder Weissagen eine Kopfbedeckung tragen soll. Es sind drei Bereiche, mit denen der Apostel diese Ordnung begründet: 1.) die Schöpfungsordnung (V.2-12), 2.) die Natur (V.13-15) und 3.) die Gewohnheit (V.16). Allen drei Bereichen liegt das Wort Gottes, die Überlieferungen aus Vers 2 zugrunde. Paulus bringt in Vers 15 ein letztes Argument dafür vor, dass Frauen beim Beten oder Prophezeien in Gottesdiensten den Kopf bedecken sollten. Er wies im vorherigen Vers darauf hin, dass die Natur die männliche Tendenz zeigt, das Haar kürzer zu halten. Relativ gesehen wird „kürzeres“ Haar typischerweise als männliches Merkmal und „längeres“ Haar als weibliches Merkmal angesehen. Damals, wie auch heute teilweise noch, fallen Männer öffentlich dadurch negativ auf, dass sie gegen diesen Standard verstoßen und „verweiblicht“ auftreten. Jetzt sagt Paulus an dieser Stelle, dass lange Haare auch aus natürlicher Sicht eine Ehre für eine Frau sind. In den meisten Kulturen tragen Frauen ihre Haare von Natur aus „länger“, besonders im Vergleich zu Männern. Auf diese Weise dient es als natürliche Abdeckung. Paulus scheint aber im Kontext nicht zu sagen, dass lange Haare ein Ersatz für eine Kopfbedeckung sind, wenn die Frauen im Gottesdienst beten oder prophezeien. Sein Punkt ist vielmehr, dass die Assoziation von „längerem“ Haar mit Weiblichkeit die Idee unterstützt, dass eine Bedeckung erforderlich ist. Das allgemeine Prinzip, das Paulus offenbart, ist die Bescheidenheit in Bezug auf die Kultur. Gläubige sollten mit ihrem Verhalten, ihrer Kleidung oder ihrem persönlichen Stil keine falschen Signale aussenden und niemanden Anstoß zur Sünde geben. In der Zeit, als Paulus diese Worte schrieb, war eine Frau mit unbedecktem Kopf in der Öffentlichkeit einer modernen Frau nicht unähnlich, die heute in der Gemeinde einen freizügigen Badeanzug trägt. Offensichtlich haben sich weltlich-kulturelle Standards geändert, aber das Prinzip bleibt gleich. Da ich die Bibel für zeitlos halte und den fortschreitenden Zeitgeist für mich nicht grundsätzlich als Fortschritt betrachte, halte ich auch die Worte von Paulus weiterhin als wegweisend. Gläubige – männliche und weibliche – sind verpflichtet, die sozialen Auswirkungen ihres Auftretens zu berücksichtigen. Es ist vergleichbar mit dem Besuch einer Sauna. Damals wäre es undenkbar gewesen, dass Frauen und Männer gemeinsam nackt in der Sauna sitzen. Heute ist dies in Deutschland, Skandinavien und anderen Ländern jedoch Normalität. Die Bibel zeugt aber unabhängig unserer Epoche davon, dass Nacktheit vor Personen des anderen Geschlecht außerhalb der Ehe schon Unzucht ist. So wie ich also jedem empfehle, nicht in gemischte Saunen zu gehen, so empfehle ich Frauen auch, sich weiterhin bei Weissagung und Gebet zu bedecken. Würden wir nun davon ausgehen, dass Paulus mit Vers 15 das Tragen eines Schleiers negiert, würde dies bedeuten, dass die Verse 5, 6, 10 und 13 sinnlos wären. Im Fall eines solchen vermeintlichen Widerspruches stelle ich die Verse gegenüber. Es gibt viele Verse, die für eine Bedeckung sprechen und diesen einen Vers, der vermeintlich dagegen spricht. In Anbetracht des historischen Kontextes, der auch durch außerbiblische Schriften bestätigt wird, sehe ich aber das Kopftuch als tatsächliche Praxis der Urgemeinde. Das die Kopfbedeckung bei Frauen nicht nur eine jüdische Sitte war, sondern auch in der Urgemeinde praktiziert wurde, erkennen wir an historischen Textzeugen. Clemens von Alexandria (150–215), ein sogenannter Kirchenvater schreibt: 

Frau und Mann sollen anständig gekleidet in die Kirche gehen […] denn dies ist der Wunsch des Wortes, da es für sie ist, verschleiert zu beten. […] Es wurde auch befohlen, den Kopf zu verschleiern und das Gesicht zu bedecken, denn es ist eine böse Sache für die Schönheit, eine Schlinge für Männer zu sein. Es ist auch nicht angebracht, dass eine Frau sich mit einem lila Schleier auffällig machen möchte.

Clement of Alexandria. (1885). The Instructor. In A. Roberts, J. Donaldson, & A. C. Coxe (Eds.), Fathers of the Second Century: Hermas, Tatian, Athenagoras, Theophilus, and Clement of Alexandria (Entire) (Vol. 2, p. 290). Buffalo, NY: Christian Literature Company.

Der frühchristliche Schriftsteller Tertullian (150–220) erklärt, dass die Frauen der korinthischen Gemeinde zu seiner Zeit noch die Kopfbedeckung trugen: 

Auch die Korinther selbst haben [Paulus] verstanden. Tatsächlich verschleiern die Korinther an diesem Tag ihre Frauen. Was die Apostel lehrten, billigten ihre Jünger.

Tertullian. (1885). On the Veiling of Virgins. In A. Roberts, J. Donaldson, & A. C. Coxe (Eds.), S. Thelwall (Trans.), Fathers of the Third Century: Tertullian, Part Fourth; Minucius Felix; Commodian; Origen, Parts First and Second (Vol. 4, p. 33). Buffalo, NY: Christian Literature Company.

Ein anderer Theologe, Hippolytus von Rom (170–236), gab Anweisungen für Versammlungen in der Kirche und sagte:

[…] lasst alle Frauen ihre Köpfe mit einem undurchsichtigen Tuch bedecken.

Hippolytus, and Easton, B. (1934). The Apostolic tradition of Hippolytus. New York: Macmillan, p.43.

Bis zum Ende des 20. Jahrhunderts wurden Kopftücher häufig von Frauen in vielen Teilen der Welt. Das Tragen von Kopftüchern war im christlichen Europa, vor allem in den ländlichen Gebieten, aber auch in Städten teilweise bis in die 1980er Jahre üblich. In Deutschland war das Tragen eines Kopftuches noch bis in der Nachkriegszeit bei Trümmerfrauen beliebt, um die Haare vor Schmutz zu schützen. Eine Renaissance erlebte das Kopftuch in Filmen der 1950er- und 1960er-Jahre, vor allem mit Audrey Hepburn und Grace Kelly, deren Name heute auch mit einer bestimmten Trageweise (unter dem Kinn gekreuzt und dann im Nacken verknotet) verknüpft ist. Spätestens seit eintreten des modernen Feminismus in den 1968ern, wurde das Kopftuch altmodisch. Mittlerweile steht fest:

[dass] nach etwa 1960 Kopfbedeckungen bei beiden Geschlechtern außer Gebrauch kamen.

Ingrid Loscheck: Reclams Mode- und Kostümlexikon. Stuttgart 1999, S.311ff, S.143f

Nun sollten wir uns aber doch einmal die Frage stellen: Ist die Bibel und das darin geschriebene Wort Gottes dynamisch, oder hat Gott ursprünglich eine Beständigkeit in, mit und durch die Bibel für alle Gläubigen vorgesehen? Ist das Kopftuch noch zeitgemäß, vielmehr, wollen wir zeitgemäß sein? Oder ist das Kopftuch, generell ein sittlicher Kleidungsstil nicht auch heute noch hochaktuell?

Anhand dieser Zusammenfassung sehen wir, dass Frauen für alle Glaubensbrüder, für ihren Ehemann und letztlich für Gott ihr Haupt, wenigstens im Gebet bedecken sollte.

Betet unablässig!

1.Thessalonicher 5:17, GtÜ, B.Fischer, Haupttext

Doch geht es Paulus auch nicht nur um Gebet, sondern Weissagung. Meistens wird mit den Worten „Prophet“ und „Weissagung“ die Vorhersage zukünftiger Ereignisse verbunden. Das ist jedoch nicht ganz richtig. Elija sprach zwar auch einige Voraussagen aus, wie die meisten Propheten der Bibel. Trotzdem ist nicht dieses das hauptsächliche Kennzeichen eines Propheten, sondern die Tatsache, dass er Aussprüche Gottes redet. Wenn die Propheten des Tanach auch viele Voraussagen gemacht haben, so haben sie doch gleichwohl zahlreiche Ermahnungen und Warnungen an das Volk ausgesprochen (z.B. 2.Chronik 36:15; Jeremia 25:4-7). Auch die Führer des Volkes Israel wie Mosche und Schmuel werden Propheten genannt, obwohl ihre Aufgabe hauptsächlich die Führung des VOlkes war (5.Mose 18:15; 1.Samuel 3:20). Den prophetischen Dienst, den wir in der Zeit der Apostel finden, gibt es auch noch heute. Ich halte es jedoch für schwierig, zu lehren, dass diese Weissagungen neue Offenbarungen enthalten. Ein solcher Dienst hat Auferbauung, Ermahnung und Trost zur Folge (siehe 1.Korinther 14:3; vgl. 2.Korinther 12:19). Dieser prophetische Dienst ist oft die höchste Form des Dienstes genannt worden, weil er nur möglich ist, wenn der Dienende in vollkommener Abhängigkeit von Gott und unter der Leitung seines heiligen Geistes steht.

Im Kontext dessen, dass wir nun unablässig beten sollten und auch Frauen die Fähigkeit zur Weissagung haben, Frauen aber nicht wissen, wann sie die Notwendigkeit zum Beten und zur Weissagung haben und auch nicht immer wissen, wann für einen Bruder die Notwendigkeit zum Gebet und zur Weissagung besteht, ist meine grundsätzliche Empfehlung, dass Frauen am besten immer die Haare zusammen gebunden haben und im Gebet ein Kopftuch tragen. Für eine Ehefrau betrachte ich persönlich dies zusätzlich zur Sittsamkeit als obligatorisch, weshalb ich als Zeugnis hinzufügen möchte, dass meine Frau wenigstens in Anwesenheit von Gästen ihr Haupt immer verhüllt hat. Letztlich sollte sich nicht nur jede Frau darüber bewusst sein, dass sie Verantwortung für Glaubensbrüder hat, sondern sollten sich auch Ehemänner und Väter darüber bewusst sein, dass sie als Haupt der Frau oder Tochter auch Verantwortung für das Handeln ihrer Frau oder Tochter tragen. Schalom.


Anbei Teilen wir ein Collagen-Projekt von Bruder Danny, dass man auch HIER im Original findet:

2 Gedanken zu “ZUCHT UND ORDNUNG – Teil 1: Die Kopfbedeckung der Frau”

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