DER SCHABBAT – Teil 1: Den Feiertag heiligen

Sowohl im großen, als auch kleinen Katechismus der evangelischen Kirche in Deutschland liest man unter der Überschrift „Das dritte Gebot“ den Satz „Du sollst den Feiertag heiligen.“. Doch wenn wir in die Bibel schauen, müssen wir feststellen, dass der Katechismus die Bibel offenbar nicht sonderlich ernst nimmt. Zunächst müssen wir an dieser Stelle klarstellen, dass die Feiertagsheiligung nicht das dritte Gebot, sondern das vierte Gebot der so genannten zehn Gebote ist und selbst die Lutherbibel gibt dieses Gebot völlig anders wieder:

Gedenke des Sabbattages, dass du ihn heiligst.

2. Mose 20:8; Luther

Den Sabbattag sollst du halten, dass du ihn heiligst, wie dir der HERR, dein Gott, geboten hat.

5. Mose 5:12; Luther

Doch weshalb änderte Luther in seinem Katechismus das hebräische Wort „Schabbat“, im deutschsprachigen Raum als „Sabbat“ bekannt, zu „Feiertag“? Luther erklärte dies wie folgt:

Feiertag haben wir genannt nach dem hebräischen Wörtlein Sabbat, welches eigentlich heißt ‚feiern‘, das ist müßig stehen von der Arbeit. […] Nun hat Gott im Alten Testament den siebenten Tag ausgesondert und aufgesetzt zu feiern und geboten, denselbigen vor allen andern heilig zu halten. Und dieser äußerlichen Feier nach ist dies Gebot allein den Juden gestellt, dass sie sollten von groben Werken stillstehen und ruhen, auf dass sich beide, Mensch und Vieh, wieder erholten und nicht von steter Arbeit geschwächt würden. […] Darum geht nun dies Gebot nach dem groben Verstand uns Christen nichts an, denn es ein ganz äußerliches Ding ist, wie andere Satzungen des Alten Testaments, an sonderliche Weise, Person, Zeit und Stätte gebunden, welche nun durch Christum alle frei gelassen sind. […] Solches aber (sage ich) ist nicht also an Zeit gebunden wie bei den Juden, dass es müsse eben dieser oder jener Tag sein; denn es ist keiner an sich selbst besser denn der andere: sondern sollte wohl täglich geschehen, aber weil es der Haufe nicht warten kann, muss man je zum wenigsten einen Tag in der Woche dazu ausschießen. Weil aber von alters her der Sonntag dazu gestellt ist, soll mans auch dabei bleiben lassen, auf dass es in einträchtiger Ordnung gehe und niemand durch unnötige Neuerung eine Unordnung mache. […]

EKD: Großer Katechismus – Das dritte Gebot (https://www.ekd.de/Grosser-Katechismus-Dritte-Gebot-13482.htm. Am 09.02.2022 aufgerufen.)

An dieser Stelle möchte ich bemerken, dass dieser Text mehr als nur einen Fehler hat. Erstens heißt Schabbat im ursprünglichen Kontext nicht „feiern“, wie es Luther wiedergibt, sondern „ruhen“, ganz gemäß dessen, was am Schabbat getan werden soll. Zweitens behauptet Luther, dass das Gebot nur den Juden gelten würde, doch müssen wir feststellen, dass dies nicht stimmt:

Und Gott redete alle diese Worte und sprach: Ich bin JHWH, dein Gott, der ich dich aus dem Land Ägypten, aus dem Haus der Knechtschaft, herausgeführt habe.

2. Mose 20:1-2

Und Mosche berief ganz Israel und sprach zu ihnen: Höre, Israel, die Satzungen und Rechtsbestimmungen, die ich heute vor euren Ohren rede; lernt und bewahrt sie, um sie zu tun! JHWH, unser Gott, hat am Horeb einen Bund mit uns geschlossen.

5. Mose 5:1-2

Es geht hier um den Gehorsam gegenüber Gott. Wir lesen an dieser Stelle, dass ganz Israel dieses Gebot von Gott erhielt, aber auch alle anderen, die Anwesend waren, auch Menschen, die keine Israeliten waren.

Es zog aber auch viel Mischvolk mit ihnen, und Schafe und Rinder und sehr viel Vieh.

2. Mose 12:38

Dieses Mischvolk waren Angehörige fremder Stämme, die mit Israel mit zogen, sich vermutlich sogar durch Ehen mit Israeliten vermischt hatten. Mehrmals lesen wir in der Bibel, dass diese Menschen, die Teil des Gottesvolkes wurden, unter dem selben Recht lebten, dass für Israel galt. Beispielsweise:

Ihr sollt ein einheitliches Recht haben, für den Fremdling wie für den Einheimischen; denn ich, JHWH, bin euer Gott.

3. Mose 24:22

Aber wie sieht es die katholische Kirche? Sie ist ja älter als die evangelische Kirche und kann uns sicher erklären, weshalb der Schabbat gestrichen wurde und stattdessen der Begriff „Feiertag“ verwendet wird.

In den Zehn Geboten steht nicht: ‚Du sollst den Feiertag heiligen!‘ – und die Sonntagsruhe ist auch kein biblisches Gebot. Für Christen ist der erste Tag der Woche der wöchentliche Feiertag. An ihm entdeckten die Frauen das leere Grab: ‚Nach dem Sabbat, beim Anbruch des ersten Tages der Woche, kamen Maria aus Magdala und die andere Maria, um nach dem Grab zu sehen.‘ (Mt 28,1). Der erste Tag der Woche entwickelte sich zum Tag des Brotbrechens und zum Gedenken an die Auferstehung Jesu Christi. Der Sonntag ist ein Werktag, an dem die Schöpfung der Welt (neu) beginnt. Der im Alten Testament gesetzlich vorgeschriebene Ruhetag ist der zu heiligende am Freitagabend beginnende und bis Samstagabend gehende Sabbat. Er gilt als der höchste Feiertag, seine Einhaltung stellt den ‚ewigen Bund‘ zwischen Gott und seinem Volk dar und ‚jeder, der am Sabbat arbeitet, hat den Tod verdient‘ (Ex 34,15). Der Sabbat ist ein Grundrecht, das sowohl Arbeitskräften als auch Arbeitstieren zusteht und keine Standesunterschiede kennt. Es handelt sich dabei nicht um eine verhandelbare Vertragsvereinbarung zwischen einem Arbeitnehmer und einem Arbeitgeber, sondern um einen gesellschaftlich festgelegten Lebensrhythmus, der Leben ermöglicht – wie sich an einem Gesetz im Buch Exodus verdeutlicht: ‚Sechs Tage kannst du deine Arbeit verrichten, am siebten Tag aber sollst du ruhen, damit dein Rind und dein Esel ausruhen und der Sohn deiner Sklavin und der Fremde zu Atem kommen.‘ (Ex 23,12). Der vorgeschriebene Ruhetag schützt die arbeitenden Menschen und sogar die Arbeitstiere: Sie erhalten das Anrecht darauf, sich zu erholen, auszuruhen und zu Atem kommen zu dürfen.

Katholisch.de: Gedenke des Sabbats – Das dritte Gebot (https://www.katholisch.de/artikel/21287-gedenke-des-sabbats-das-dritte-gebot. Am 09.02.2022 aufgerufen.)

Wir stellen also fest, dass der Sonntag nicht biblisch geboten ist, sondern ein Arbeitstag ist und dass der Schabbat eigentlich ein Grundrecht für Gottes Volk ist. Aber wer ist Gottes Volk? Nur die Juden? Wer ist Israel? Nur die Christen?

Als solche hat er auch uns berufen, nicht allein aus den Juden, sondern auch aus den Heiden; wie er auch durch Hosea spricht: »Ich will das ›mein Volk nennen, was nicht mein Volk war, und die ›Geliebte‹, die nicht Geliebte war. Und es soll geschehen, an dem Ort, wo zu ihnen gesagt wurde: Ihr seid nicht mein Volk!, da sollen sie ›Söhne des lebendigen Gottes‹ genannt werden.«

Römer 9:24-26

Wie stimmt der Tempel Gottes mit Götzenbildern überein? Denn ihr seid ein Tempel des lebendigen Gottes, wie Gott gesagt hat: »Ich will in ihnen wohnen und unter ihnen wandeln und will ihr Gott sein, und sie sollen mein Volk sein«. Darum geht hinaus von ihnen und sondert euch ab, spricht der Herr, und rührt nichts Unreines an! Und ich will euch aufnehmen, und ich will euch ein Vater sein, und ihr sollt mir Söhne und Töchter sein, spricht der Herr, der Allmächtige.

1. Korinther 6:16-18

Da ihr zu ihm gekommen seid, zu dem lebendigen Stein, der von den Menschen zwar verworfen, bei Gott aber auserwählt und kostbar ist, so lasst auch ihr euch nun als lebendige Steine aufbauen, als ein geistliches Haus, als ein heiliges Priestertum, um geistliche Opfer darzubringen, die Gott wohlgefällig sind durch Jesus Christus. Darum steht auch in der Schrift: »Siehe, ich lege in Zion einen auserwählten, kostbaren Eckstein, und wer an ihn glaubt, soll nicht zuschanden werden«. Für euch nun, die ihr glaubt, ist er kostbar; für die aber, die sich weigern zu glauben, gilt: »Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, gerade der ist zum Eckstein geworden«, ein »Stein des Anstoßes« und ein »Fels des Ärgernisses«. Weil sie sich weigern, dem Wort zu glauben, nehmen sie Anstoß, wozu sie auch bestimmt sind. Ihr aber seid ein auserwähltes Geschlecht, ein königliches Priestertum, ein heiliges Volk, ein Volk des Eigentums, damit ihr die Tugenden dessen verkündet, der euch aus der Finsternis berufen hat zu seinem wunderbaren Licht — euch, die ihr einst nicht ein Volk wart, jetzt aber Gottes Volk seid, und einst nicht begnadigt wart, jetzt aber begnadigt seid.

1. Petrus 2:4-10

Anhand dieser Verse wird eigentlich sehr klar, dass die Nachfolger des Messias wenigstens zum Volk Gottes gehören müssen. Manche meinen, Christen ersetzen die Israeliten, aber dies kann man hier nirgends erkennen.

Ich frage nun: Hat Gott etwa sein Volk verstoßen? Das sei ferne! Denn auch ich bin ein Israelit, aus dem Samen Abrahams, aus dem Stamm Benjamin. Gott hat sein Volk nicht verstoßen, das er zuvor ersehen hat! Oder wisst ihr nicht, was die Schrift bei Elia sagt, wie er vor Gott gegen Israel auftritt und spricht: »Herr, sie haben deine Propheten getötet und deine Altäre zerstört, und ich bin allein übrig geblieben, und sie trachten mir nach dem Leben!« Aber was sagt ihm die göttliche Antwort? »Ich habe mir 7 000 Männer übrig bleiben lassen, die [ihr] Knie nicht gebeugt haben vor Baal.« So ist nun auch in der jetzigen Zeit ein Überrest vorhanden aufgrund der Gnadenwahl. Wenn aber aus Gnade, so ist es nicht mehr um der Werke willen; sonst ist die Gnade nicht mehr Gnade; wenn aber um der Werke willen, so ist es nicht mehr Gnade, sonst ist das Werk nicht mehr Werk. […] Denn zu euch, den Heiden, rede ich: Weil ich Apostel der Heiden bin, bringe ich meinen Dienst zu Ehren, ob ich irgendwie meine Volksgenossen zur Eifersucht reizen und etliche von ihnen erretten kann. Denn wenn ihre Verwerfung die Versöhnung der Welt [zur Folge hatte], was wird ihre Annahme anderes [zur Folge haben] als Leben aus den Toten? Wenn aber die Erstlingsgabe heilig ist, so ist es auch der Teig, und wenn die Wurzel heilig ist, so sind es auch die Zweige. Wenn aber etliche der Zweige ausgebrochen wurden und du als ein wilder Ölzweig unter sie eingepfropft bist und mit Anteil bekommen hast an der Wurzel und der Fettigkeit des Ölbaums, so überhebe dich nicht gegen die Zweige! Überhebst du dich aber, [so bedenke]: Nicht du trägst die Wurzel, sondern die Wurzel trägt dich! Nun sagst du aber: »Die Zweige sind ausgebrochen worden, damit ich eingepfropft werde«. Ganz recht! Um ihres Unglaubens willen sind sie ausgebrochen worden; du aber stehst durch den Glauben. Sei nicht hochmütig, sondern fürchte dich! Denn wenn Gott die natürlichen Zweige nicht verschont hat, könnte es sonst geschehen, dass er auch dich nicht verschont. So sieh nun die Güte und die Strenge Gottes; die Strenge gegen die, welche gefallen sind; die Güte aber gegen dich, sofern du bei der Güte bleibst; sonst wirst auch du abgehauen werden! Jene dagegen, wenn sie nicht im Unglauben verharren, werden wieder eingepfropft werden; denn Gott vermag sie wohl wieder einzupfropfen. Denn wenn du aus dem von Natur wilden Ölbaum herausgeschnitten und gegen die Natur in den edlen Ölbaum eingepfropft worden bist, wie viel eher können diese, die natürlichen (Zweige), wieder in ihren eigenen Ölbaum eingepfropft werden!

Römer 11:1-24

Der Messias selber lehrte selber, Gottes Gebote zu halten:

Ihr sollt nicht meinen, dass ich gekommen sei, um das Gesetz oder die Propheten aufzulösen. Ich bin nicht gekommen, um aufzulösen, sondern um zu erfüllen! Denn wahrlich, ich sage euch: Bis Himmel und Erde vergangen sind, wird nicht ein Buchstabe noch ein einziges Strichlein vom Gesetz vergehen, bis alles geschehen ist. Wer nun eines von diesen kleinsten Geboten auflöst und die Leute so lehrt, der wird der Kleinste genannt werden im Reich der Himmel; wer sie aber tut und lehrt, der wird groß genannt werden im Reich der Himmel. Denn ich sage euch: Wenn eure Gerechtigkeit die der Schriftgelehrten und Pharisäer nicht weit übertrifft, so werdet ihr gar nicht in das Reich der Himmel eingehen!

Matthäus 5:17-20

Der Messias sagt klipp und klar, dass Gottes Gebote nicht aufgelöst werden, bis Himmel und Erde vergehen und er warnt vor Irrlehrern, die Gottes Gebote auflösen. Die Strafe für das Auflösen eines kleinen Gebotes ist es, ein Kleiner im Himmel zu sein. Das Feiertagsgebot ist aber eines der großen Gebote, gehört zu den zehn Geboten – laut dem Messias wird es Menschen geben, die nicht in das Himmelreich können, da sie offensichtlich große Gebote auflösen. Johannes bringt es letztlich treffend auf den Punkt.

Und daran erkennen wir, dass wir ihn erkannt haben, wenn wir seine Gebote halten. Wer sagt: »Ich habe ihn erkannt«, und hält doch seine Gebote nicht, der ist ein Lügner, und in einem solchen ist die Wahrheit nicht; wer aber sein Wort hält, in dem ist wahrhaftig die Liebe Gottes vollkommen geworden. Daran erkennen wir, dass wir in ihm sind.

1. Johannes 2:3-5

Daran erkennen wir, dass wir die Kinder Gottes lieben, wenn wir Gott lieben und seine Gebote halten. Denn das ist die Liebe zu Gott, dass wir seine Gebote halten; und seine Gebote sind nicht schwer. Denn alles, was aus Gott geboren ist, überwindet die Welt; und unser Glaube ist der Sieg, der die Welt überwunden hat.

1. Johannes 5:2-4

Fakt ist, dass bibeltreue Nachfolger des Messias den Schabbat und nicht den Sonntag heiligen müssen. Wichtig ist hierbei, dass das Eine nicht das andere ausschließt. Wenn jemand den Schabbat heiligt, kann er natürlich auch an allen anderen Tagen der Woche Gott die Ehre geben, aber alleine der Schabbat ist der eine Tag der Woche, an dem man nicht selber arbeiten und auch nicht andere arbeiten lassen soll. Manche fragen sich nun vielleicht, was effektiv der Unterschied zwischen Schabbat und Werktagen ist. Biblisch ist es so, dass man am Schabbat nicht arbeiten darf und an allen anderen sechs Tagen arbeiten soll.

Sechs Tage sollst du arbeiten und alle deine Werke tun; aber am siebten Tag ist der Schabbat JHWHs, deines Gottes; da sollst du kein Werk tun; weder du, noch dein Sohn, noch deine Tochter, noch dein Knecht, noch deine Magd, noch dein Vieh, noch dein Fremdling, der innerhalb deiner Tore lebt.

2. Mose 20:9-10

Sechs Tage sollst du arbeiten und alle deine Werke tun; aber am siebten Tag ist der Schabbat JHWHs, deines Gottes; da sollst du kein Werk tun, weder du noch dein Sohn, noch deine Tochter, noch dein Knecht, noch deine Magd, noch dein Rind, noch dein Esel, noch all dein Vieh, noch dein Fremdling, der innerhalb deiner Tore ist, damit dein Knecht und deine Magd ruhen wie du.

5. Mose 5:13-14

Weiter lesen wir sogar, dass Arbeit eine Pflicht dazu ist, überhaupt essen zu dürfen.

Denn als wir bei euch waren, geboten wir euch dies: Wenn jemand nicht arbeiten will, so soll er auch nicht essen! Wir hören nämlich, dass etliche von euch unordentlich wandeln und nicht arbeiten, sondern unnütze Dinge treiben. Solchen gebieten wir und ermahnen sie im Auftrag unseres Herrn Jesus Christus, dass sie mit stiller Arbeit ihr eigenes Brot verdienen.

2. Thessalonicher 3:10-12

Weshalb ist es heute aber nicht mehr üblich, den Schabbat zu heiligen? Weshalb heiligen heute Christen meistens den Sonntag? Dafür müssen wir etwas weiter zurück in der Geschichte suchen. Die Trennung von Judentum und Christentum begann offensichtlich und überprüfbar mit einem Beschluss der Synode von Jawne, die „Häretiker“ zu verfluchen.

Den Abtrünnigen sei keine Hoffnung, und das anmaßende Königreich rotte eilends aus in unseren Tagen, und die Nazarener und die Häretiker mögen wie ein Augenblick dahingehen, ausgelöscht werden aus dem Buche des Lebens und mit den Gerechten nicht aufgeschrieben werden. Gepriesen seist du, Herr, der die Anmaßenden demütigt.

Birkat ha Minim im Schmone Esre (https://de.wikipedia.org/wiki/Synode_von_Jabne#Birkat_haMinim_(Verw%C3%Bcnschung_der_H%C3%A4retiker. Am 30.01.2022 aufgerufen.)

Bis zu dieser Zeit waren die „Judenchristen“ oder „messianischen Juden“ die Majorität unter den Christen. Dies änderte sich nun mit diesem Bannfluch, der weitgehend auch zum Ausschluss aus den Synagogen und sogar zur Verbrennung apostolischer Schriften führte. Nach der Niederschlagung des jüdischen Bar-Kochba-Aufstandes im Land Israel 135 n.u.Z. , wurde die Ausübung des Judentum in Israel verboten und in anderen Provinzen des römischen Reiches zunächst stark eingeschränkt1https://de.wikipedia.org/wiki/Bar-Kochba-Aufstand#Folgen_f%C3%BCr_die_Besiegten. Am 30.01.2022 aufgerufen.. Zu dieser Zeit gab es einen ersten großen, durch Christen hervorgerufenen Bruch vom Judentum. Um Verfolgung zu reduzieren, welche gegen Christen schon groß genug war, versuchten christliche Theologen, sich theologisch von jeder Jüdischkeit abzugrenzen. Der alternative Feiertag wurde der vermeintliche Tag von Jeschuas Auferstehung, der Tag nach dem Schabbat. Diese Praxis wurde vor allem dadurch begünstigt, dass an diesem Tag der Tag der Sonne „dies solis“, der Feiertag des römischen Sonnengötzen „sol invictus“ stattfand. Dieser Götze wurde schon vor der Geburt des Messias angebetet, was sich über die Jahrhunderte immer mehr verstärkte, bis er 274 n.u.Z. zu einem der wichtigsten Götzen des römischen Reiches wurde. Auch Kaiser Konstantin I., der später das Christentum förderte, war ein treuer Verehrer dieses Götzen2Mehr Informationen unter https://bibel-lernen.de/weihnachten-01.. Eben dieser Kaiser war es, der im März 321 n.u.Z. das erste Sonntagsedikt erließ:

Alle Richter, die Stadtbevölkerung und die Betriebe aller Gewerbe sollen am verehrungswürdigen Tag der Sonne ruhen. Die ländliche Bevölkerung soll dennoch der Landwirtschaft frei und ungehindert nachgehen, da es oft vorkommt, dass es keinen besseren Tag gibt, um Getreide zu säen oder Weinstöcke zu pflanzen; denn ein Vorteil, den die himmlische Vorsehung gewährt hat, soll nicht durch die Wahl des Zeitpunkts verschenkt werden.

Katholisch.de: Vor 1.700 Jahren – Als Konstantin der Große die Sonntagsruhe einführte (https://www.katholisch.de/artikel/28929-vor-1700-jahren-als-konstantin-der-grosse-die-sonntagsruhe-einfuehrte. Am 30.01.2022 aufgerufen.)

Dieses Edikt wurde von der damaligen Kirche, die zu dem Zeitpunkt schon nicht mehr im eigentlichen biblischen Erbe Israels wandelte angenommen und umgesetzt. Vier Jahre später beim Konzil von Nicäa, wurde der Bruch zum Judentum weiter verstärkt, in dem Beschlossen wurde, das Abendmahl fortan nicht mehr zum biblischen Pessachfest zu feiern, sondern das kirchliche Osterfest auf den Sonntag nach dem Pessachfest zu feiern. Einige letzte verbliebene Gruppen, die den Schabbat feierten nannten sich zu dieser Zeit Ebioniten, Elkesaiten, Hebräer, Nazoräer und wurden auf verschiedenen Konzil als judaisierend und somit häretisch verurteilt. Spannend hierbei ist, dass das Wort „judaisieren“ eigentlich nur ein einziges Mal in der Bibel vorkommt und oft mit „jüdisch leben“ übersetzt wird.

Als aber Petrus nach Antiochia kam, widerstand ich ihm ins Angesicht, denn er war im Unrecht. Bevor nämlich etliche von Jakobus kamen, aß er mit den Heiden; als sie aber kamen, zog er sich zurück und sonderte sich ab, weil er die aus der Beschneidung fürchtete. Und auch die übrigen Juden heuchelten mit ihm, sodass selbst Barnabas von ihrer Heuchelei mit fortgerissen wurde. Als ich aber sah, dass sie nicht richtig wandelten nach der Wahrheit des Evangeliums, sprach ich zu Petrus vor allen: Wenn du, der du ein Jude bist, heidnisch lebst und nicht jüdisch, was zwingst du die Heiden, jüdisch zu leben?

Galater 2:14

In diesem Vers geht es um Petrus, der den Leuten die von Jakobus, dem Gemeindeleiter der Jerusalemer Urgemeinde, gesandt wurden, gefallen wollte indem er sich von den Gläubigen aus den Heiden absonderte. Das tat er, weil er die Juden, „die Gläubigen aus der Beschneidung fürchtete“. Petrus heuchelte und verwarf die Erkenntnis aus Apostelgeschichte 10 und 11 und das Dekret des Apostelkonzil aus Apostelgeschichte 15 um sich wieder auf den traditionellen rabbanitisch-jüdischen Rassismus zu beziehen. Nirgendwo verbietet die Tora, dass ein Israelit mit einem Konvertiten oder Fremden, der die Gebote hält, zu Tisch sitzen darf. Petrus machte das Wort Gottes wieder unwirksam durch rabbanitisch-jüdische Überlieferungen. Er schuf einen in zwei Klassen geteilten Glauben und das nannte Paulus judaisieren. Beim Judaisieren geht es nur um das was das „Judentum“ Abseits des Tenach, dem „alten Testament“ ausmacht. Heiden sollen keine orthodoxen Juden werden und sogar Juden sollten sich von diesem Weg der Menschengebote abwenden, hin zu Gottes Weisung. Doch trotz dessen, fanden sich immer wieder bibeltreue Anhänger des Messias, die den Schabbat als wahr erkannten – in der späten Antike, im Mittelalter und in der Neuzeit.

Im Anhang haben wir eine Liste von 50 Zitaten katholischer und evangelischer Theologen zur Frage „Sabbat vs. Sonntag“: https://bibel-lernen.de/schabbat-50zitate

Was wir am Schabbat eigentlich machen oder lassen sollen, findet man in folgenden Artikel: https://www.bibel-lernen.de/schabbat-gemeindeversammlung

2 Gedanken zu “DER SCHABBAT – Teil 1: Den Feiertag heiligen”

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.